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Geschichte
der JLO Motorenwerke

Heinrich Christiansen (4. v.l.) beobachtet die Vorführung seiner
Gleisbaumaschinen
Mit
drei Pferdewagen nach Pinneberg
Die Geschichte der ILO Motorenwerk GmbH (1)
Von Jürgen Eggert

„Aus
für ILO“ titelte am 20. November 1990 das PINNEBERGER
TAGEBLATT, und am 31. Dezember 1990 schloss das traditionsreiche
Unternehmen für immer seine Pforten. Damit endete eine fast
80-jährige Firmengeschichte, in deren Verlauf der Pinneberger
Betrieb zu einem der führenden Unternehmen im Zweitaktmotorenbau
wurde. Mit bis zu 1600 Beschäftigten war das Werk für
viele Jahre größter Arbeitgeber in der Region.
Die
Wiege des Betriebs stand in Altona. Dort hatte Firmengründer
Heinrich Christiansen im Alter von 35 Jahren 1911 eine in Konkurs
geratene Maschinenfabrik erworben. Unter dem Firmennamen „Norddeutsche
Maschinenfabrik GmbH.“ beschäftigte man zunächst
ca. 20 Mitarbeiter. Gefertigt wurden insbesondere Geräte für
den Gleis- und Brückenbau der Deutschen Reichsbahn. Das kaiserliche
Deutschland erkämpfte seinen Platz unter den großen Weltmächten
auch durch eine enorme militärische Aufrüstung. Sie steigerte
die Nachfrage nach Rüstungsgütern in der deutschen Wirtschaft
stark. Die grausamen Materialschlachten des 1. Weltkriegs und die
Blockade der deutschen Importe führten zu Lieferengpässen
und einer staatlichen Lenkung der Rüstungsproduktion, in die
auch kleine und mittlere Unternehmen eingebunden wurden. So bestand
ein wesentlicher Teil des Fertigungsvolumens der Norddeutschen Maschinenfabrik
aus Rüstungsgütern wie Minenwerfer-, Geschütz- und
Geschossteile sowie Mundlochbüchsen. Für das Jahr 1915
verzeichnete der Geschäftsbericht eine fast ausschließliche
Abarbeitung von Aufträgen der Heeresverwaltung.
Schon
zwei Jahre nach Firmengründung waren die Betriebsräume
in Altona zu klein geworden. Heinrich Christiansen erwarb ein Grundstück
am Bahnhof Pinneberg. Nicht nur die verkehrstechnisch günstige
Lage am Schienennetz der Reichsbahn, sondern auch die Chance zu
zukünftiger räumlicher Expansion waren wichtige Gründe
für diese Entscheidung. Für die Fertigung wurde eine kleine
Halle errichtet. Die Verwaltung fand Unterkunft in einem Vorbau.
Die bebaute Fläche betrug 412 qm. Der damals noch bescheidene
Fertigungsumfang dokumentierte sich auch im Umzugsvolumen. Als man
1913 die neuen Räume in Pinneberg bezog, reichten für
den Transport der Maschinen drei Pferdewagen, wie sich später
ein Meister erinnerte. Auch während des 1. Weltkriegs wurde
die für die Reichsbahn entwickelte Gleisstopfmaschine weiter
verbessert, ein Gerät, das beim Eisenbahnbau zur Verdichtung
des Schotters zwischen den Schwellen genutzt wurde. 1918 konstruierte
man einen Zweitaktmotor, der das Gerät kostengünstiger
und unabhängig von einer zentralen Kraftquelle machte. Dies
war die Geburtsstunde des ILO Motors.
Das
Kriegsende 1918 brachte für den Betrieb große wirtschaftliche
Probleme. Die Rüstungsaufträge endeten schlagartig und
neue Aufträge an so genannten Friedensprodukten kamen zunächst
nur spärlich. Viele Arbeiter mussten entlassen werden. Aber
die Gleisstopfmaschine brachte in den Folgejahren gute Verkaufserfolge
sodass mit wachsenden Aufträgen auch im Hinblick auf eine längerfristige
Bedarfsplanung der Reichsbahn für den noch kleinen Betrieb
Kapazitäts- und Finanzierungsprobleme entstanden. 1921 entschloss
sich Heinrich Christiansen zu einem Verkauf des Patents an die Krupp
AG, und die Produktion der Gleisstopfmaschinen in Pinneberg endete
Mitte 1922. Nun konzentrierte sich der Betrieb mit Erfolg auf den
Bau von Zweitaktmotoren. Auf der ADAC Deutschlandfahrt erreichten
1924 zwei mit ILO Motoren ausgerüstete Krafträder den
ersten und zweiten Platz. Ein weiteres wichtiges Standbein wurden
Motoren für Kleinlastwagen, die zunehmend Transportaufgaben
insbesondere auf kürzeren Strecken übernahmen. Fast alle
wichtigen deutschen Hersteller setzten die Motoren in ihren Fahrzeugen
ein. 1927 wurde ein Fahrradhilfsmotor entwickelt. Er war einer der
ersten leistungsfähigen Antriebe für Fährräder.
Ab 1929 wurden ebenfalls Kleinverbrennungskraftmaschinen für
den Einsatz im landwirtschaftlichen Bereich, z.B. für Motorhacken
und Pumpen angeboten. Das Produktionsvolumen wuchs. 1928 war bereits
eine bebaute Fläche von 1437 qm vorhanden.
Schon
1913 ließ Heinrich Christiansen beim Kaiserlichen Patentamt
das Markenzeichen ILO eintragen und verwendete es für seine
Produkte. Der Begriff Ilo stammt aus der Kunstsprache Esperanto
und bedeutet „Werkzeug“. Heinrich Christiansen war mit
vielen anderen seiner Zeit der Meinung, dass eine Weltsprache Esperanto
Verständigung und Verständnis von Menschen und Nationen
untereinander verbessern würde. 1930 fand der Begriff ILO auch
Eingang in den Firmennamen.
In
den 30er Jahren sind Motoren für Dreiradlieferwagen der weitaus
größte Umsatzträger. Z.B. in den Modellen Tempo
(Vidal + Sohn) und Goliath (Borgward) liefen Motoren von ILO. 1931
brachte man nach langer Entwicklungszeit einen Einradwagenschieber
zum Verschieben von Eisenbahnwaggons auf den Markt. Er wurde ebenfalls
viele Jahre erfolgreich verkauft. Aber ILO Zweiradmotoren hatten
immer stärker gegen die Konkurrenz von NSU, DKW, SACHS und
anderen zu kämpfen. In der Fertigung wurde der Betrieb der
Werkzeugmaschinen von einem Transmissionsantrieb auf direkten elektrischen
Antrieb umgestellt. 1933 wurde das vom Hamburger Architekten Rudolf
Lodders entworfene und heute unter Denkmalschutz stehende Verwaltungsgebäude
bezogen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen ca.
150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Anzahl der Beschäftigten
wuchs bis 1939 auf 300.

Auch
während des 2. Weltkriegs fertigte man fast ausschließlich
Motoren. Da diese jedoch auch für verschiedene militärische
Zwecke Verwendung fanden, wurde das Werk zum Rüstungsbetrieb
erklärt und Heinrich Christiansen trotz Distanz zu den Nationalsozialisten
zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. In der Fertigung wurden,
wie in anderen Betrieben, auch ca. 170 Fremdarbeiter zwangsweise
eingesetzt. Sie waren in Baracken auf dem Werksgelände untergebracht.
Die Werksanlagen blieben zwar auch im Chaos der letzten Kriegstage
von Bombenschäden verschont, aber das Kriegsende im Mai 1945
bedeutete für das Unternehmen und seine Mitarbeiter die Stunde
„0“ mit ungewisser wirtschaftlicher und persönlicher
Zukunft.
Pinneberg
– Hochburg des Zweitakters
Die Geschichte der ILO Motorenwerk GmbH (2)
Von Jürgen Eggert

8.
Mai 1945 – In Deutschland schwiegen die Waffen, aber das Land
lag in Trümmern. Trotz der Nähe zu Hamburg waren die ILO
Werksanlagen bei Kriegsende voll einsatzbereit. Auch eine Demontage
durch die englische Besatzungsmacht fand nur in unwesentlichem Umfang
statt. Aber an eine Aufnahme der traditionellen Motorenproduktion
war aufgrund mangelnder Nachfrage zunächst nicht zu denken.
250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fertigten Krücken, Eierbecher,
Feuerzeuge und sonstige Gegenstände des täglichen Bedarfs.
Für einige Zeit wurden Motoren der englischen Rheinarmee repariert.
Erste Aufträge für Fahrzeugmotoren kamen ebenfalls von
der Besatzungsmacht.
Als
ehemaligem Wehrwirtschaftführer entzog die Militärverwaltung
Heinrich Christiansen sen. die Leitung seines Betriebs und verbot
ihm das Betreten der Werksräume. Er war damals 69 Jahre und
zog sich verbittert in sein Landhaus in Süder-Dithmarschen
zurück. Obwohl ihn das eingeleitete Entnazifizierungsverfahren
später als „nicht belastet“ einstufte, kam er nur
noch selten in seine Firma. Er starb im März 1949 nach einer
Gallenoperation. Christiansen gilt noch heute als einer der Pioniere
der Motorisierung Deutschlands.
Seit
1946 hatte sein Sohn Heinrich Christiansen jun. die Leitung des
Unternehmens übernommen. 1948 trat dieser auch als persönlich
haftender Gesellschafter in die Firma ein. Die ersten Zweiradmotoren
für den industriellen Bedarf wurden 1947, zunächst in
bescheidenem Umfang, gefertigt. Auch Vidal + Sohn in Harburg begann
erneut mit einer noch kleinen Produktion seiner TEMPO-Dreiradlastfahrzeuge
und baute weiterhin ILO Motoren ein. Aber die Währungsreform
und die teilweise Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung brachte 1948
für die deutsche Wirtschaft einen enormen Aufschwung und setzte
zudem eine Motorisierungswelle in Gang. Sie begann für die
breite Masse meist mit dem Kauf eines Motorrads oder eines Motorfahrrads.
ILO erlebte in den folgenden Jahren einen Nachfrageboom, aber man
war für die neue Herausforderung gut gerüstet. Das vorhandene
Motorenprogramm aus den Vorkriegsjahren wurde weiter verbessert.
Viele Motorradhersteller entschieden sich für den ILO-Motor.
Darunter waren bekannte Konfektionäre wie z.B. UT, Hercules,
Rixe, Bastert, Göricke, Bücker, Tornax, Maico, Dürkopp
und Rabeneick. Zwischen 1947 und 1950 stieg die Zahl der produzierten
Motoren von 6.300 auf 56.700. Die Zahl der Beschäftigten war
auf über 600 gewachsen. Obwohl teilweise in drei Schichten
gearbeitet wurde, reichte die vorhandene Produktionsfläche
nicht mehr aus. Sie wurde 1950 auf 8.750 m2 verdoppelt. Ein weiteres
Werk entstand in München. Die rasant wachsende Nachfrage nach
Zweitaktmotoren für Zwei- und Mehrradfahrzeuge führte
zu einer eindeutigen Schwerpunktbildung bei Fahrzeugmotoren. Der
wohl bekannteste und erfolgreichste Motor des Werks war der JLO
Twin (M 2 x 125). Mit ihm bot ILO einen Einbaumotor für die
250er Klasse an.
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Rosenfest
1950: Zur Glanzzeit der 2-Takt-Motoren passiert eine ganze Kolonne
mit JLO-Motoren ausgerüsteter Fahrzeuge die Dingstätte.
Die
Produktionszahlen stiegen auch zu Beginn der 50er Jahre weiter.
1955 verließen 184.000 Motoren das Werk. 1.500 Beschäftigte
hatten ihren Arbeitsplatz bei ILO. Damit war man nicht nur größter
Arbeitgeber im Raum Pinneberg, sondern auch Deutschlands größter
Hersteller für Zweitaktmotoren. Weiter im Verkaufsprogramm
war der bereits vor dem Krieg entwickelte und weiter verbesserte
Einradwagenschieber. Für einige Jahre baute ILO ebenfalls Motoren
für den legendären Vespa Motorroller in Lizenz.. Das Unternehmen
investierte in großem Umfang in Anlagen und Gebäude.
Auf dem Gelände an der Mühlenau entstand ein neues Entwicklungswerk
für die Konstruktion und Versuchsprüfung der Motoren.
Ein neues Bürogebäude wurde 1952 bezogen.
Aber
Mitte der 50er Jahre endete der Boom für motorisierte Zweiräder
abrupt. Zahlreiche Motorradhersteller meldeten Konkurs an, denn
das Auto begann seinen Siegeszug auch im privaten Bereich. Die Fertigung
von Motorrad- und Rollermotoren lief 1959 aus. Für das Unternehmen
entstand eine kritische Situation, denn das Programm der Industriemotoren
war in den Jahren des Zweiradbooms vernachlässigt worden. Es
musste nun mit hohem Investitionsaufwand an die Anforderungen des
Marktes angepasst werden. Dies gelang, aber zunächst verlor
fast 1/3 der Mitarbeiter den Arbeitsplatz im ILO Werk. Der Personalstand
sank bis 1957 von 1.600 auf 1.000. Das Unternehmen geriet zudem
an die Grenzen seiner Finanzierungsmöglichkeiten. Auch war
die Gesundheit von Firmeneigner Heinrich Christiansen jun. stark
angegriffen, und er entschloss sich zu einem Verkauf des Unternehmens.
Am
17. September 1957 meldete das PINNEBERGER TAGEBLATT: „ILO-Werke
in amerikanischer Hand“. Mit der Rockwell Manufacturing Company
war ein Käufer gefunden, der neues Kapital, neue Produkte (Armaturen,
Ventile und Flüssigkeitszähler für Großanlagen)
und vielleicht auch verbesserte Chancen auf dem amerikanischen Markt
mitbrachte. Heinrich Christiansen jun. verblieb als Geschäftsführer
bis 1960 weiterhin im Unternehmen. Der Pinneberger Bürgermeister
Glissmann zeigte sich angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung
des Unternehmens optimistisch über das Engagement der Amerikaner.
Dieser Optimismus wurde durch die Entwicklung in den Folgejahren
auch bestätigt. Es wurde eine neue Fertigungshalle für
Armaturen gebaut. Das Geschäft mit Industriemotoren entwickelte
sich positiv. Die Zahl der Beschäftigten war wieder auf 1200
gestiegen. Schon 1963 reichte die Produktionsfläche nicht mehr
aus. Man beschloss die Armaturenfertigung in ein neues Werk nach
Prisdorf auszulagern.
Ca.
1960 begannen Überlegungen zur Entwicklung von Schneeschlittenmotoren,
insbesondere für den nordamerikanischen und skandinavischen
Markt. In den USA und Kanada war der Schneeschlitten zu einem Sportgerät
für betuchte Liebhaber schneller Kufen geworden. Seit 1963
investierte das Unternehmen in erheblichem Umfang in dieses Geschäft.
Ein attraktives Motorenprogramm stand bald zur Verfügung. Und
die Erfolge blieben nicht aus. Ab 1965 lief der Absatz in größeren
Stückzahlen und entwickelte sich in den Folgejahren prächtig.
Auch für die Zukunft ging die Geschäftsführung 1968
von einer dynamischen Weiterentwicklung des Schneeschlittenmarktes
mit überdurchschnittlichen Zuwachsraten aus.
Für 1969 meldete ILO eine Produktion von 283.000 Motoren.
Produktionsrekorde,
stürmische Jahre und der Niedergang
Die Geschichte der ILO Motorenwerk GmbH (3)
Von Jürgen Eggert

Die
zweite Hälfte der 60er Jahre brachten für ILO neue Absatz-
und Produktionsrekorde. Der Verkauf von Schneeschlittenmotoren nach
Nordamerika stieg auf 40.000 Stück p.a.. Das waren 50 % des
gesamten ILO Exports. 1968 wurde eine neue Drückgießerei
gebaut. Damit stieg die bebaute Fläche auf über 20.000
m2. Die große Nachfrage nach ILO-Motoren erforderte von den
Beschäftigten höchsten Einsatz. Intensiv suchte man mit
großformatigen Anzeigen auf einem „leergefegten“
Arbeitsmarkt nach weiteren Facharbeitern. Auch viele Gastarbeiter,
insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien, kamen nach Pinneberg.
Und ILO zahlte, sehr zum Ärger kleinerer Metallbetriebe in
der Region, Spitzenlöhne und bot attraktive Sozialleistungen.
Auch die Investitionen erreichten Rekordhöhen. Sie betrugen
1969 10 Millionen DM. Allein Umbau und Erweiterung der Sozialräume
kosteten 500.000 DM. Mit einem Kostenaufwand von 1,5 Millionen DM
wurde ein neues, vollautomatisches Hochregellager errichtet. Auf
einer Betriebsversammlung im April 1969 sah die Geschäftsführung
auch für die nächsten Jahre steigende Umsätze, nicht
zuletzt wegen weiterhin positiver Erwartungen für den Schneeschlittenmarkt.
Man wollte erstmals im Umsatz die 100 Millionen erreichen. Der auf
der gleichen Veranstaltung angekündigte Einbau einer Sauna
innerhalb der betrieblichen Sozialräume wurde von den Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern mit großem Beifall begrüßt.
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Entwicklungsabteilung |
Bundeskanzler
Ehrhardt besucht die JLO |
Aber
auch ohne Saunabesuch kam die Geschäftsleitung in den Folgejahren
kräftig ins Schwitzen. Am bisher blauen Absatzhimmel waren
dunkle Wolken aufgezogen. Der Umsatz mit Schneeschlittenmotoren
ging 1971 dramatisch zurück. Der japanischen Konkurrenz war
es gelungen, mit qualitativ guten und preiswerten Motoren auch in
die Exportmärkte von ILO einzubrechen. Zudem führten Überkapazitäten
bei der Motorenproduktion weltweit zu einem Preisverfall und die
Aufwertung der DM erschwerte das Auslandsgeschäft. Die Problematik
wird deutlich an der Entwicklung des Produktionsvolumens. 1969 lieferte
ILO 283.000 Motoren. 1970 waren es nur noch 128.300. Nun rächte
sich die starke Konzentration auf ein Produkt und einen Markt. Der
Verkauf von Industriemotoren war in den Jahren des Schneeschlittenbooms
fortgesetzt worden. Aber neue Produkte, die die Umsatzlücke
schließen konnten, standen zumindest kurzfristig nicht zur
Verfügung, denn der Schwerpunkt der Produktentwicklung und
weiterer Investitionen hatte eindeutig bei Schneeschlittenmotoren
gelegen. Es folgten stürmische Jahre, in denen einer der Arbeitsschwerpunkte
auf dem Personalabbau lag. Denn für die Beschäftigten
bedeutete das fehlende Produktionsvolumen den Verlust von Arbeitsplätzen.
Mit normaler Fluktuation, Kurzarbeit und Abbau von Überstunden
war die Auslastungslücke nicht zu schließen. Geschäftsleitung
und Betriebsrat einigten sich auf eine Reduzierung des Personals
von 1150 auf 800 und auf eine Zahlung von Abfindungen in den Fällen
betriebsbedingter Kündigungen. Erfreulicherweise hatten die
meisten der entlassenen Mitarbeiter schnell eine neue Tätigkeit
gefunden, denn der Arbeitsmarkt boomte. Aber die folgenden Jahre
machten einen weiteren Personalabbau erforderlich. 1975 stellte
ILO die Produktion von Schneeschlittenmotoren ein. Die Druckgießerei
wurde Anfang 1976 geschlossen. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten noch
320 Beschäftigte in den für das Geschäftsvolumen
nun überdimensionierten Hallen.
Ein
erneuter Wechsel in der Geschäftsführung und der 1977
vollzogene Verkauf des Unternehmens an die amerikanische Tecumseh
Products Company brachten ILO wieder in ruhigeres Fahrwasser. Der
neue Gesellschafter baute Kompressoren, Getriebe und, wie ILO, Zwei-
und Viertaktmotoren. Mit dem Erwerb des Pinneberger Betriebs sollte
eine Ausweitung der eigenen Aktivitäten auf den europäischen
Märkten und die Stärkung der Position als Motorenanbieter
erfolgen. Es wurde ein Ersatzteillager zur Versorgung der europäischen
Tecumseh Motorenkunden eingerichtet. ILO konzentrierte sich nun
auf den Bau von Allzweckmotoren für die Bereiche Landwirtschaft,
Bau und Industrie. Und ILO Motoren liefen zuverlässig z.B.
in Sprühgeräten zur Schädlingsbekämpfung, Kehrmaschinen,
Rasenmähern, Pumpen, Kompressoren, Motorwinden und Erdverdichtern.
Intensiv wurde an einer weiteren technischen Verbesserung des Motorenprogramms
gearbeitet. Der Rückgang der Produktion konnte gestoppt werden.
Es wurden wieder leichte Zuwächse beim Motorenabsatz erzielt.
Im Auslandsgeschäft war man allerdings stark abhängig
von in der Menge interessanten Ausschreibungsaufträgen insbesondere
nach Afrika. Kamen sie wegen Finanzierungsproblemen oder eines besseren
Konkurrenzangebots nicht zustande, gab es Beschäftigungsprobleme,
die teilweise nur mit Kurzarbeit gelöst werden konnten. Die
intensive Suche nach einem weiteren „Standbein“ galt
der verbesserten Auslastung des laufend modernisierten Maschinenparks.
Die so genannte Auftragsfertigung beinhaltete z.B. die Lieferung
von Kurbelwellen an namhafte Hersteller. Sie erreichte jedoch keine
Größenordnung, die die Auslastung entscheidend verbessern
konnte. Leerstehende Produktionsflächen wurden teilweise vermietet.
Und man schrieb „schwarze Zahlen“.
1986
feierte ILO das 75-jährige Firmenjubiläum. Im Rahmen eines
Tages der offenen Tür kamen viele Besucher noch einmal in den
einstmals größten Pinneberger Betrieb. Vor Mitarbeitern
und Ehrengästen zeigte sich die Geschäftsführung
optimistisch, dass in den Folgejahren weitere neue Geschäftsfelder
erschlossen werden könnten. Aber spätestens 1988 wurde
deutlich, dass die Basis des Geschäfts zu schmal war. Nach
dem Verlust einiger wichtiger Abnehmer sank der Umsatz zwischen
1986 und 1989 um 6 Millionen DM. Ein mit großem Aufwand und
vielen Hoffnungen entwickelter Rasenmähermotor musste wegen
technischer Probleme vom Markt genommen werden. Seit 1987 machte
das Unternehmen Verluste. 1990 beschloss Tecumseh die Schließung
des Werks in Pinneberg. Unter betriebwirtschaftlichen Aspekten war
dies eine fast zwangsläufige Entscheidung, denn weltweit bestand
eine Überkapazität im Bereich der Motorenfertigung. Tecumseh
war durch Kauf eines Motorenherstellers in Italien weiterhin in
Europa präsent. Der Versuch von Geschäftsführung,
Betriebsrat und IG Metall, eine Auffanggesellschaft zur Fortführung
der geschäftlichen Aktivitäten zu gründen, scheiterte.
So blieb für die zuletzt noch 186 Beschäftigten nur der
Trost einer Abfindung nach einem Sozialplan. Auch die Ansprüche
auf Betriebsrente waren gesichert.
Zum
31.Dezember 1990 schlossen sich die Werkstore für immer. Damit
endete ein wesentliches Kapitel Pinneberger Industriegeschichte.
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Heinrich
Christiansen (m.) |
Luftbild
JLO 50er Jahre |

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