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1987

Ausstellung für einen Tag

Die Museums-AG des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes unter Hartmut Tank organisiert für den Tag des Stadtfestes eine Ausstellung "Pinneberger Schulleben früher" in einem Zelt auf der Drosteiwiese. An diesem Tag gehen starke Schauer nieder. Das Zelt erweist sich als weitgehend wasserdicht. Viele Pinnebergerinnen und Pinneberger unterstützen die Idee eines Stadtmuseums.

Hartmut Tank im Ausstellungszelt
Dr. Peters in Aktion für das Stadtmuseum

1988

Vor 100 Jahren ist die Stadt Pinneberg ein nahezu idyllischer Kurort gewesen
Von Beatrice Schnurr

Pinneberg. Auf den Spuren der „Sommerfrischler“ anno 1900 lustwandeln und eine Reise in das Pinneberg um die Jahrhundertwende antreten, können Heimatinteressierte ab heute in dem alten Amtsgericht an der Pinneberger Dingstätte. Um 11 Uhr eröffnet die lang erwartete erste Ausstellung, die die Stadt Pinneberg gemeinsam mit dem Ortsverein Pinneberg des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes organisiert hat, in dem roten Backsteinhaus neben der Drostei. Das Haus, das vielleicht eines Tages Pinnebergs Heimatmuseum sein wird, lädt zu einem Bummel in die Vergangenheit der Kreisstadt ein.
Mit dem Foyer betreten die Ausstellungsbesucher einen „Bahnhof“. Hier warten schon eine Dame und ein Herr auf die Abfahrt in den beliebten Kur- und Ausflugsort Pinneberg. Aus Holz gesägt, mit Originalkleidungsstücken aus der Jahrhundertwende bekleidet und mit sperrigen alten Gepäckstücken ausgerüstet, sind die „Herrschaften“ der erste Blickfang der Ausstellung.

Vom Bahnhof geht es linker Hand in den ersten Ausstellungsraum, hier informieren alte Karten über den Zielort, Fahrpläne weisen die Strecke aus, und ein geschichtlicher Rückblick in die „Zeit vor der Eisenbahn“ lässt den Reisenden der jüngeren Zeit auf atmen: Wie beschwerlich eine Fahrt in den Kurort mit der Postkutsche war, verdeutlichen Fotos und Pläne.
Mit Betreten des nächsten Raumes sind die Ausstellungsbesucher und ihre „Zeitgenossen von damals“ in Pinneberg angekommen. Hier stellt sich sogleich die Frage, in welchem Gasthaus Quartier bezogen werden soll. Etwa 30 Gasthäuser in der Kreisstadt werben um die Gunst der „Sommerfrischler“ und Ausflügler. Die Entscheidung fällt auf ein Gästezimmer mit Bett, Wandschmuck einem alten, gusseisernen Säulenofen sowie dem typischen Waschtisch.
Ein Blick aus dem „Fenster“ des Zimmers zeigt das „andere Pinneberg“ von anno dazumal: Qualmende Schornsteinschlote der Metallwarenfabrik Wupperman. Pinneberg hatte zwei Gesichter, die auch in der Ausstellung angedeutet werden: „Kurort zwischen Idylle und Industrie“ ist nicht von ungefähr der Untertitel der Ausstellung.
Vom anheimelnden Gästezimmer mit dem kontrastreichen Ausblick führt die „Reise“ in den letzten Raum - nach draußen auf Pinnebergs Straßen und Plätze, in den Fahlt und in eine typische Gartenrestauration. Hier vor dem „Gasthof Eiche“ am Fahltskamp (heute steht dort das Kreiskrankenhaus) haben schon einige „Herrschaften“ in Sonntagskleidung auf weißen Klappstühlen Platz genommen.

Einkaufsbummel
Ein Bummel entlang der Schaufenster zeigt, welch modische Neuheiten bei Martin Meyer an der Dingstätte präsentiert werden. Die Papierhandlung Laubinger an der Lindenstraße preist Reiseandenken und Postkarten an, und beim Fotografen Theodor Schlüter kann ein Erinnerungsfoto geschossen werden.
Ein Erlebnis besonderer Art sind die ländlichen Pferderennen. Sie werden um 1870 dort abgehalten, wo etwa 100 Jahre später das neue Rathaus entsteht. Zum Schwof am Abend laden schließlich die zahlreichen Pinneberger Vereine ein, die das gesellschaftliche Leben der Kurstadt stark bestimmen.

Pferderennen
Am nächsten Tag - mit Verlassen des letzten Ausstellungsraumes - geht es zurück. Die Ausflügler begeben sich zum Bahnhof und reisen ab - und für die Besucher ist das jetzt erreichte Foyer letzte Station der Vergangenheit, sie kehren zurück in die Gegenwart.
Die „Reise nach Pinneberg“ hat die „Arbeitsgruppe Museum“ des Ortsvereines Pinneberg im Schleswig-Holsteinischen Heimatbund (SHHB) gemeinsam mit der von der Stadt beschäftigten Romy Steinmeier und mit gestalterischer Unterstützung der Hamburger Ateliergemeinschaft „handwerk“ erarbeitet. Mitglieder des Pinneberger Heimatbundes werden die Ausstellung ehrenamtlich beaufsichtigen.

Pinneberger Tageblatt, 26.11.1988

1991

Baumstarke Ausstellung im Gericht
Pinneberg: Interessante Reise durch die Biologie und Kulturgeschichte

mg Pinneberg — Am Anfang ist das Samenkorn, am Ende die fertige Pflanze. Dazwischen liegt für die Baumschuler im Kreis Pinneberg viel Arbeit und für die Besucher einer Ausstellung über Bäu-me im ehemaligen Pinneberger Amtsgericht der Gang durch vier Schauräume. Bei der Eröffnung machten etwa 70 Besucher eine Reise durch Biologie und Kulturgeschichte des Baumes, die bei historischen Saatflaschen und fertigen Stecklingen im Foyer anfing und endete.
Die Ausstellung „Schleswig-Holstein baumbestanden“ ist bereits die zweite Schau, die in einem Museum stattfindet, das nicht Museum heißen darf. „Ich hoffe, daß wir die dritte Ausstellung — geplantes Thema ist "Arbeiten in Pinneberg" — dann im Pinneberger Stadtmuseum eröffnen können“, sagte Bürgermeister Jan Nevermann. Bisher hatte die SPD-Fraktion der Ratsversammlung Vorbehalte, das ehemalige Amtsgericht umzutaufen.
„Rotes Licht“ für das Museum wünschte sich auch Hans-Albert Winzer, Vorsitzender des Pinneberger Heimatbundes. Für diesen vielsagenden Versprecher hatte er die Lacher auf seiner Seite. Doch Nevermann stand ihm in nichts nach. „Schleswig-Holstein baumumschlungen“ hatte er die Ausstellung benannt. Diese hübsche Verwechslung von Baum und Meer gefiel vor allem Romy Steinmeier, der Museumsfachkraft.
Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 7. Juli dienstags, donnerstags, sonnabends und sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr,. Sie bietet unter anderem Überblicke über Baumschulgeschichte, Bodenbearbeitungsmethoden und Rosenzucht.

Pinneberger Zeitung, 5.4.1991

 

Begeisterte Baumschuler
Pinneberg (sö).

„Diese Ausstellung ist ganz toll gelungen, wenn auch noch kleine Korrekturen im fachlichen Bereich vorgenommen werden könnten.“ — Ein dickes Lob für Pinnebergs Museumsexpertin Romy Steinmeyer von einem, der es wissen muß. Günther Schmidt, Baumschuler aus Halstenbek, ist von der zweiten Ausstellung im ehemaligen Pinneberger Amtsgericht, die jetzt eröffnet worden ist, begeistert.
„Schleswig-Holstein baumbestanden“ ist die Schau alter Baumschulgeräte, Geschäftsunterlagen und interessanter Informationen über die Menschen, die von diesem Wirtschaftszweig leben, benannt. Den äußeren Rahmen gibt der Ausstellung, die auch über das Thema Stadtökologie informiert, eine „poetische Klammer“ aus Gedichten, Märchen und Sagen, die sich mit der mythischen Bedeutung von Bäumen befassen. Klare Stellung bezog Bürgermeister Jan Nevermann in seiner Eröffnungsrede:
„Hoffentlich wird diese Ausstellung so erfolgreich, daß die dritte Ausstellung zwar im selben Gebäude, nicht aber im ehemaligen Amtsgericht, sondern im Pinneberger Stadtmuseum stattfindet.“
Auch der Pinneberger Ortschef des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, Hans-Albert Winzer, machte sich nachhaltig für das Museum stark: „Ich hoffe, daß die politischen Gremien der Stadt noch in diesem Jahr grünes Licht geben.“ Daß daran auch die Bürger der Stadt interessiert sind, beweist die große Resonanz, die Romy Steinmeyer bei der Museumsarbeitsgruppe und vielen Baumschulern aus dem Kreis Pinneberg gefunden hat. Für ihr Engagement erhielten einige der uneigennützigen Helfer den „Ehrenregenwurm am Bande“ — darunter auch Tageblatt-Verleger Dieter Beig.
Die Ausstellung kann von morgen an bis Sonntag, dem 7. Juli, dienstags, donnerstags, sonnabends und sonntags in der Zeit von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Pinneberger Tageblatt, 5.4.1991