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2005

Pinneberger Ansichten –
aus der Postkartensammlung des Stadtmuseums

16. Januar bis 19. März 2005

 

Postkarte: Die E-Mail aus früheren Zeiten
Ausstellung: „Pinneberger Ansichten“ im Stadtmuseum an der Drostei

Pinneberg (gm). Der Heimatverein Rellingen hat kürzlich „Rellinger Ansichten gezeigt, im Industriernuseum Elmshorn läuft gegenwärtig eine Ausstellung alter Postkarten. Und auch im Stadtmuseum Pinneberg können jetzt Ansichtskarten betrachtet werden. Kürzlich fand die feierliche Eröffnung im Haus an der Drostei statt. Ina Duggen-Below, seit 1995 Leiterin der Einrichtung, sagte in ihrer Begrüßungsrede vor rund 50 Gästen; „Die historische Darstellungen Pinnebergs der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts und der Anfänge des 20. Jahrhunderts vermitteln uns einen Eindruck der Atmosphäre, die einmal diesen Ort geprägt haben muss.“
Die Ausstellung „Pinneberger Ansichten“ gibt einen Einblick in die Postkartensammlung des Museums, die stetig erweitert wird und 500 Objekte umfasst. Rund 300 Originalkarten aus der Zeit zwischen 1890 und 1950 hat sie in mühevoller Arbeit ausgewählt. Die Postkarten dokumentieren eindeutig die Entwicklung Pinnebergs, vermitteln einen Eindruck vom Stadtbild und den Gepflogenheiten in einer Zeit, als die Hamburger mit dem Zug ankamen und hier Erholung suchten.
Die älteste Postkarte aus dem Jahr 1891 (laut Poststempel) zeigt die Kirche in der Bahnhofstraße, obgleich das Gotteshaus erst 1895 geweiht wurde. 300 Ansichtskarten sind 30 Themenbereichen zugeordnet, so dass bestimmte Straßen, Gebäude und Plätze im Wandel der Zeit dargestellt werden. Die häufigsten Motive sind die alte Flussbadeanstalt, die Villen in der Bahnhofstraße, die Friedenseiche, Gaststätten und Ausflugslokale, der Bahnhof und die Bauernmühle.
Den Einführungsvortrag über die Kulturgeschichte der Postkarte hielt Professor Dr. Gerhard Kaufmann, ehemaliger Direktor des Altonaer Museums. Der Experte ging auf den Siegeszug der Postkarte ein, ursprünglich noch „Correspondenzkarte“ genannt. 1876 produzierte der Lithograph Miesler die erste bebilderte Ansichtskarte von Berlin. „Den großen Populationsgewinn erlang sie durch die 1885 offiziell zugelassene Bildpostkarte‘, so der Redner.
Ein weiterer Siegeszug der Postkarte lag darin, dass sie für alle erschwinglich war. Bis 1890 gab es vorwiegend farbige Chromo-Lithographien. Dann war die Technik des Lichtdrucks so weit ausgereift. dass Fotografien schnell und günstig in allen Hell-Dunkelabstufungen gedruckt werden
konnten. Örtliche Verlage waren Zorn, Laubinger und Schlüter. Die meisten Postkarten kamen aber aus München. Die Post war seinerzeit weitaus fortschrittlicher als heute. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden die Postsachen in den Städten fünf- bis achtmal täglich zugestellt. Auf dem Lande gab es zwei tägliche Zustellungen. Die häufig schon totgesagte Postkarte ist auch heute, trotz SMS und E-Mail, noch beliebt. Rund 900 Millionen Karten werden im Jahr geschrieben und versandt. Die „Pinneberger Ansichten“ können bis Sonnabend, 19. März, betrachtet werden. Das Stadtmuseum ist dienstags bis freitags in der Zeit von 17 Uhr bis 19 Uhr geöffnet, donnerstags auch von 10 Uhr bis 12 Uhr und sonnabends von 11 Uhr bis 13 Uhr.

Pinneberger Tageblatt, 22.1.2005

 

„Pottbude“ ist wieder aufgebaut
Von Andreas Daebeler

Pinneberger Tageblatt, 14.4.2005

Pinneberg. „Da habe ich gewohnt.“ Hans-Jürgen Thies lächelt. Sein Finger zeigt auf das kleine Haus inmitten eines täuschend echt nachempfundenen Betriebsgeländes. Der Pinneberger hat während der vergangenen Monate Erstaunliches geleistet: Er baute Wupperman wieder auf. Mit viel Liebe zum Detail und der Unterstützung Reinhard Schlifkes entstand ein drei Meter langes und etwa 80 Zentimeter breites Modell der Topf-Fabrik, die in der Kreisstadt einst liebevoll die „Pottbude“ genannt wurde. Von 1950 bis 1954 hatte Thies selbst dort gearbeitet, lange Zeit in einer Wohnung auf dem Gelände gewohnt. Zu bewundern ist das Modell ab kommendem Sonntag, 17. April, wenn im Stadtmuseum neben der Drostei um 11 Uhr die Ausstellung „Eisen, Gummi und Emaille - alte Industrie in Pinneberg“ eröffnet wird.

In drei Räumen wurde zusammengetragen, was Firmenarchive und der Bestand des Museums hergaben. Die Schau ist ein weiteres Produkt der fruchtbaren Zusammenarbeit von Museums-leiterin Ina Duggen-Below und VHS-Geschichtswerkstatt. Volkshochschulchef Wolfgang J. Domeyer, der gestern durch die herrlich hellen Räume führte: „Ohne die Unterstützung der Firmen, die uns Material zur Verfügung stellten, wäre das allerdings nicht möglich gewesen.“

Wer sich bis zum 24.September ins Stadtmuseum aufmacht, der bekommt historische Firmenbücher, Fotos und Produkte der in Pinneberg ansässigen Firmen gezeigt, wie es sie in dieser Dichte noch nie zu sehen gab. Manch einer, der einst bei Wupperman, Wille, Binne oder den ILO-Motorenwerken seine Schichten schob, wird sich wiedererkennen. Die Mitglieder der Geschichtswerkstatt haben recherchiert, gesichtet und „Archive durchwandert“ (Domeyer). Informative Texte spannen den Bogen von den Anfängen der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts bis heute. Ausgehend von einer Dampfmaschine verbinden installierte Treibriemen die verschiedenen Räume.

Besucher erfahren, welch Initialzündung die 1844 erfolgte Anbindung ans Eisenbahnnetz für Pinneberg bedeutete, dass es für kurze Zeit sogar eine Hafenbahn gab und wie ein gewisser Bernd Böttger einst mit einem selbstgebauten Mini-U-Boot aus der DDR flüchtete, um den „Aqua Scooter“ später bei den ILO-Werken weiterzuentwickeln.

„Wir zeigen Arbeits- und Wohnkultur, gehen auch auf die Entwicklung der Arbeiterbewegung ein“, so Domeyer. Auch die Thematik in Pinnebergs Betrieben beschäftigter Kriegsgefangener wird berührt. „Die Exponate sind etwa zur Hälfte Leihgaben Pinneberger Betriebe oder Familien“, ergänzt Duggen-Below, die darauf verweist, dass auch die ILO-Ausstellung im Keller des Museums weiterhin besucht werden kann. Und für alle, die noch mehr über die Industriegeschichte Pinnebergs erfahren möchten: Unsere Zeitung wird ab Mai eine in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt entstandene Serie zum Thema veröffentlichen.

 

Unterhaltsame und rundum gelungene Zeitreise
Stadtmuseum, Geschichtswerkstatt und ein Traditionsbetrieb
liefern interessante Einblicke
Pinneberger Tageblatt, 19.4.2005



Dierk Metzger demonstriert die Transmission in der alten Tischlerei

Pinneberg (bw). „Das soll funktionieren?“ Ungläubig schauen die Anwesenden auf das Gewirr aus Rädern, Riemen und Scheiben. Die gesamte Anlage wirkt eher wie die Kulisse aus einem Historienfilm, als wie eine betriebsfähige Apparatur. Doch als Dierk Metzger den Schalter betätigt, der Mechanismus sich in Gang setzt und der Seniorchef des Unternehmens C. Otto Gehrckens dann auch noch ein Stück Holz sauber bearbeitet, wandelt sich die allgemeine Skepsis in Bewunderung. Applaus belohnt die geschickte Demonstration. „Als ich von den Vorbereitungen der aktuellen Ausstellung im Stadtmuseum hörte, erinnerte ich mich an unsere Transmission in der alten Tischlerei“, berichtet der Seniorchef des heutigen Herstellers von Dichtelementen über den Ursprung der Idee, die Präsentation von Pinnebergs alter Industrie um ein originales Anschauungsobjekt zu bereichern. Mit dem Riemengetriebe, so der Unternehmer, seien bis zum Jahr 1977 alle in der Fabrik anfallenden Reparaturen von eigenen Mitarbeitern ausgeführt worden.
Das Transmissions-Prinzip beherrschte lange in Industrie und Landwirtschaft den Antrieb unterschiedlichster Maschinen. Zur Übertragung der zentral erzeugten Kraft dienten Wellen aus Eisen und Riemenscheiben aus Holz, die über Flachriemen aus Leder verbunden waren. Die Transmissionswellen wurden meist an der Decke befestigt und konnten durch die gesamte Halle und sogar in Nebengebäude geführt werden.
„Heute besitzt jede Maschine ihren eigenen Antrieb mit einem Elektromotor“, erläutert Metzger seinen Gästen den technischen Fortschritt. Die Besucher, direkt von der Ausstellungs-Eröffnung zum Traditionsunternehmen in die Koppelstraße gepilgert, sind Zeugen einer exklusiven Vorführung.
Aus Sicherheitsgründen steht die von Metzger in vielen Stunden wieder in Stand gesetzte Transmission dem Publikumsverkehr nicht zur Verfügung. Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt erhalten Gelegenheit, einen Videofilm über die Transmission in Betrieb zu drehen.
Mehr als 100 Premierengäste der von Museumsleiterin Ina Duggen-Below und VHS-Chef Wolfgang J. Domeyer eröffneten Ausstellung „Eisen, Gummi und Emaille — alte Industrie in Pinneberg“ (wir berichteten) bewiesen, dass die Organisatoren mit der Schau das Interesse der Kreisstädter zentral getroffen haben. Anschaulich dargestellt wird nicht nur Aufstieg und Blütezeit der führenden Unternehmen.
Auch die Frage, warum einige Betriebe die Produktion einstellen mussten, während andere fortexistierten, wird beantwortet. Die Darstellung von Wohnkultur des führenden Bürgertums, Arbeitskämpfen, sozialem Engagement von Unternehmern und Beschäftigung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern geraten zu einer lebendigen, unterhaltsamen und rundum gelungenen Zeitreise.

Bilder aus der Industrieausstellung

 

Wuppermans Tresorknacker stiftet fürs Stadtmuseum

Pinneberg. Ein Sammler hatte in den 70er Jahren einen Safe mit uralten Firmenunterlagen in den Trümmern gefunden.

Pinneberger Zeitung, 21. April 2005
Von Marion Girke

Pinneberg - Rund 30 Jahre nach einem ungewöhnlichen jugendlichen Beutezug hat ein Tornescher Geschäftsmann den Inhalt eines von ihm geknackten Panzerschranks wieder herausgerückt - und damit der Leiterin des Pinneberger Stadtmuseums, Ina Duggen-Below, eine Riesenfreude bereitet. Bei dem Fund handelt es sich um einen großen Packen von Geschäftsun-terlagen der Stanz- und Emaillierfirma Wupperman.

"Es war Sommer und furchtbar heiß", erinnert sich der heute 37 Jahre alte Christian Rump. Zusammen mit ein paar Kumpels durchstöberte er Ende der 70er Jahre die abgerissenen Ruinen der letzten Reste der ehemaligen Wuppermanschen Werke direkt an der Bahn. Plötzlich stockte den Jungen der Atem. Inmitten der Abrißtrümmer entdeckten sie einen zwar leicht lädierten, schwarzen Tresor, der aber dennoch fest verschlossen war. Die Neugier war geweckt. Eine Woche brauchten die Kameraden, um dem offensichtlich vergessenen Ungetüm mit Brechstangen zu Leibe zu rücken.

Spannend dann der Moment, als die Tür sich öffnen ließ und gleich darauf eine große Enttäuschung. Kein Geld oder andere Kostbarkeiten befanden sich in dem Safe, sondern nur uralte Firmendokumente. Doch echte Panzerknacker freuen sich über jede Art von Beute. Der "Schatz" wurde redlich geteilt und der Anteil von Rump überlebte bis heute vergessen im Keller.

Ein Bericht in der Pinneberger Zeitung über die Industrieausstellung im Museum ließ die Erinnerung wiederaufleben. So landeten die Unterlagen schließlich dort, wo sie am besten aufgehoben sind: Im Museum, wo sie eine Fülle anderer Hinterlassenschaften aus dem Hause Wupperman ergänzen. Duggen-Belows spontane Reaktion nach einem Blick in die Unterlagen: " Das ist toll!" Sie will die vielen 1000 Blätter genauestens archivieren.

Die ältesten Dokumente sind Geschäftsbriefe von 1888. Finden wird Duggen-Below auch komplette Gehaltsabrechnungen der 30er bis 50er Jahre. Aus ihnen ergibt sich, daß kaufmännische Lehrlinge 48 bis 60 Mark, ein Kontorist 177 Mark, Buchhalter 283 Mark, Pförtner 236 Mark und Arbeiter 272 Mark im Monat verdienten. Die Gehälter eines Monats beliefen sich 1967 auf insgesamt 23 602 Mark.

An Weihnachts-Gratifikationen wurden 1967 nur 50 bis 150 Mark für die tariflich bezahlten Arbeitskräfte und bis zu 2000 Mark für die leitenden Mitarbeiter gezahlt. Aus Anstellungs- und Lehrverträgen ergibt sich, daß werktags bis 18 Uhr und sonnabends bis 12 Uhr gearbeitet werden mußte.

 

Stadtfest: „Aktionstag mit viel Dampf“ vor dem Museum

Auf reges Interesse bei Jung und Alt stießen die Dampfmaschinen und Dampfschiffe, die Mitglieder des Modellbau-Clubs e.V. Uetersen vor dem Stadtmuseum ausgestellt und vorgeführt haben.

www.smc-uetersen.de
e-mail: smc.uetersen@Schleswig-Holstein.de

In der Ausstellung „Waldträume“ verzaubern Fabelwesen die Besucher des Stadtmuseums.


Aufmerksam lauschen die kleinen und großen BesucherInnen den Eröffnungsworten des "Bestimmers "von Pinneberg (so nennen die Kindergartenkinder den Bürgermeister Horst Werner Nitt).

In den alten Mauern des einstigen Amtsgerichts haben Feen, Trolle und wundersame Gnome das Zepter übernommen. Geschichten wie diese sind während der Ausstellung „Waldträume“ im Pinneberger Stadtmuseum zu bestaunen. Die Präsentation ist das Ergebnis eines Naturprojekts des Dolli-Einstein-Hauses, der Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt
80 Mädchen und Jungen hatten etwa ein Jahr lang alles rund um den Wald im Klövensteen und im Fahlt untersucht und sich dem Thema Natur genähert. Die „Igel“-Kinder untersuchten Bäume und Blätter, Rinde und Moos sowie das Wetter. Zahlreiche Zeichnungen und Fotos der „Tiger“-Kinder finden sich in dem Naturführer mit dem Titel „Ein Spaziergang durch den Wald“ wieder.
An einem Buch der ganz anderen Art arbeitete die „Delfin“-Gruppe. Während einer Woche im Wald entdeckte sie ein Spinnennetz im morgendlichen Tau. Kurzerhand ernannte sie die Bewohnerin zur Hauptfigur ihres Werks: „Miss Spider‘s Wedding“. Ansprechende Illustrationen erzählen deren Liebesgeschichte mit dem Käfer „Ferdinand“.
Zauberhaft präsentieren sich die 20 Waldwichtel der „Raben“-Gruppe. Sie begaben sich auf die Spuren von Feen, Trollen und Gnomen. In bunten Bildern und mit fantasievollen Skulpturen erzählen die Kinder den Besuchern von ihren Begegnungen mit Wesen aus der Märchenwelt. (mor)

Pinneberger Tageblatt, 19.11.2005

Von Pfauenauge und Kaisermantel
Von Natalie Kordowski

Kinder lieben Insekten. Interessiert wird im Vorschulalter noch jeder Ameisenhaufen erkundet. „Und entweder, das Interesse erlahmt in der Pubertät, oder man bleibt für immer im Bann dieser Lebewesen“, weiß Michael Eifler, nebenberuflicher Insektenkundler. Der Pinneberger stellt im Zuge der Ausstellung „Pinneberger Sammler“ am Sonnabend, 10. Dezember, sowie am Sonntag, 11. Dezember, jeweils zwischen 11 und 18 Uhr seine umfangreiche Sammlung heimischer und ausländischer Käfer vor. Die Passion seines Pinneberger „Kollegen“ Walter Baltruweit ist das Sammeln von Schmetterlingen. Mehr als 50 Schaukästen mit den geflügelten Schönheiten wird der Hobby-Lepidopterologe in den Räumen des Museums neben der Drostei zeigen. Insgesamt werden mehr als 4000 Präparate zu bestaunen sein.

Die filigranen, oft in prächtigen Farben gezeichneten Tagfalter sollen den Betrachter sprichwörtlich „beflügeln“. Aber auch Nachtfalter, oft abwertend als „Motten“ tituliert, gibt es zu sehen.

Bereits seit seiner Jugend interessierte sich der heute 74-jährige Baltruweit für die Welt der Falter. In 40 Jahren sammelte er mehr als 1700 Exemplare aus der ganzen Welt. Auch noch unentdeckte Arten hat er dabei aufgespürt.

Außer bekannten Vertretern wie Tagpfauenaugen und Zitronenfaltern wird Baltruweit auch seltene Artgenossen zeigen, zum Beispiel den ausgestorbenen Kaisermantel oder kleine C-Album-Falter, „Sie tragen ihren Namen nach einer weißen Zeichnung auf der Flügelunterseite, die aussieht wie der Buchstabe C“, erläutert der Falter-Freund.

Mit einer ähnlich großen Anzahl an Ausstellungsstücken kann auch Käfer-Sammler Eifler aufwarten. Für besonderes Erstaunen sorge er stets, wenn er in Schrittgeschwindigkeit mit dem so genannten „Auto-Catcher“, einem großen Fangnetz auf dem Dach seines Pkw in Schrittgeschwindigkeit umherschwirrende Insekten einfange, so der 61-Jährige.

An beiden Nachmittagen können die Museumsbesucher Eifler und Baltruweit beim Präparieren über die Schulter schauen und einen Eindruck erhalten, mit welcher Hingabe und Vorsicht die beiden leidenschaftlichen Entomologen zu Werk gehen. Beide Pinneberger sind im Hamburger „Verein für Naturwissenschaftliche Heimatforschung“ aktiv. Und mit ihren fesselnden Erzählungen über die Welt der Krabbel- und Flattertierchen wollen sie die Besucher, besonders Kinder, in „ihren Bann ziehen“ - möglichst über die Zeit des ersten Liebeskummers hinaus.

Pinneberger Tageblatt, 8.12.05

2006

Ausstellung über Pinnebergs SPD

Am 19. März 1865 gründeten 62 Männer in Pinneberg den Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV), aus dem später die SPD hervorging. 140 Jahre Sozialdemokratie, dieser runde Geburtstag im vorigen Jahr, war für die örtlichen Genossen Grund genug, eine Ausstellung im Stadtmuseum auf die Beine zu stellen.

"Wir haben in dieser Zeit einiges bewirken können", so der Ortsvereinschef Herbert Hoffmann bei der Eröffnung. In mühevoller Kleinarbeit wurden Bilder aus der Vergangenheit ausgesucht, anschauliche Texte erarbeitet und viele historische Zeugnisse, etwa Mitgliedsbücher oder Wahlwerbebroschüren von anno dazumal, zusammengetragen. "Angesichts der langen Zeitspanne können wir natürlich nur Streiflichter aus der Geschichte präsentieren", so Hoffmann.

Im Stadtmuseum wird nicht nur die Historie der Sozialdemokraten in Pinneberg lebendig, es finden sich auch Spuren anderer Parteien und Verbände sowie das Leben und Wirken vieler für die Stadthistorie bedeutender Personen. Einige dicke Sammelordner widmen sich einzelnen Themenbereichen - etwa Wahlwerbung von 1945 bis heute, der sehr steinige Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg oder das Thema Regensteuer, das Anfang der 70er Jahre im Fokus der Öffentlichkeit stand und der SPD ein Wahldebakel bescherte.

Die Ausstellung ist bis 5. Februar dienstags bis freitags von 17 bis 19 Uhr, donnerstags zusätzlich von 10 bis 12 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 13 Uhr und sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Gruppen können besondere Zeiten absprechen.
kol

Pinneberger Zeitung, 17. Januar 2006

Mehr als ein buntes Frühlingsfest
Von Berthold Wagner

Frühlingsfest mit sechs Buchstaben für Rätselfreunde, Süßigkeiten-Orgie für Naschkatzen, deftige Lammkeule für die Liebhaber guter Küche und natürlich jede Menge Spaß beim Suchen versteckter Schokoladeneier- und hasen – „all das ist Ostern auch, aber eben nicht nur“, erklärte Ina Duggen-Below in ihrer Begrüßungsansprache. Die am Wochenende im Pinneberger Stadtmuseum eröffnete neue Ausstellung „Ostern – Brauchtum gestern und heute“ sei ein Versuch, den eigentlichen Sinn, die Herkunft und die Geschichte des beliebten Fests wieder mehr in das Bewusstsein zu rücken, sagte die Leiterin der Institution.

„Die jährlich regelmäßig in den Fußgängerzonen der Städte durchgeführten Umfragen zeigen, dass die Unwissenheit über den christlichen Hintergrund von Ostern weit verbreitet ist“, betonte Duggen-Below. Für die mehr als 50 Besucher der Ausstellungseröffnung traf dies spätestens nach dem einführenden Vortrag von Dr. Monika Schwinge nicht mehr zu. Die Pröpstin des Kirchenkreises Pinneberg erläuterte präzise und anschaulich die religiöse Bedeutung des ältesten und wichtigsten Fests der Christen.

Mit einem Rundgang durch die überaus gelungene Ausstellung vertieften die Besucher anschließend die im Vortrag gehörten Informationen. Eine klare Gliederung der Themenbereiche, sorgfältig ausgewählte Exponate aus dem Besitz von Kirchen, anderen Museen und Privatleuten sowie die ebenso unterhaltsamen wie informativen Informationstexte beeindruckten die Gäste: „Eine höchst erfreuliche Mischung aus Wissenserweiterung und Vergnügen“, lobte eine Besucherin.

Im ersten Raum des Museums wird die gesamte Osterzeit mit ihren spezifischen Feiertagen dargestellt und erläutert. Diese umfasst das närrische Karnevalstreiben und die durch Verzicht gekennzeichnete Phase des Fastens ebenso wie das als Geburt der Kirche geltende Pfingstfest. Sakrale Objekte und Kunstgegenstände, darunter beeindruckende Auferstehungs-Ikonen und ein festliches priesterliches Messegewand, erwarten die Besucher im zweiten Raum.

„Dann wird es bunter und fröhlicher“, beschreibt Duggen-Below die Atmosphäre des dritten Raums, wo das internationale und historische Osterbrauchtum gezeigt wird. Die Besucher erfahren alles über Prozessionen, Palmesel, Osterwasser und „Ratschen“, warum der Gründonnerstag nichts mit der Farbe zu tun hat und wer in Australien die Arbeit des Osterhasen übernimmt. Prädikat: Sehenswert!

Pinneberger Tageblatt, 3.4.2006

 

Internationaler Museumstag am 21. Mai 2006
Motto: Museen und junge Besucher

Naturforscher im Stadtmuseum
zum Mitmachen für Kinder ab 9 Jahren

Workshop/Ausstellung mit Käferspezialist Michael Eifler

- bauen von Fanggeräten
- Mikroskopieren
- bestimmen und präparieren von Käfern und anderen kleinen Tieren

Im Mai 2006 begehen die Museen weltweit zum 29. Mal den Internationalen Museumstag. In Deutschland wird dieser Tag der Museen am 21. Mai gefeiert. Dieses Jahr steht der internationale Museumstag unter dem Motto – Museen und junge Besucher.
Das Stadtmuseum Pinneberg beteiligt sich denn auch mit einem ganz besonderen Angebot für unsere jungen Besucher. Wir haben den Pinneberger Käferspezialisten Michael Eifler eingeladen, um auf kindgerechte Art Einblick in sein umfangreiches spannendes Hobby zu geben. Er wird versuchen, den Besuchern, nicht nur den kleinen, die Augen zu öffnen für das, was da in unserer nächsten Umgebung alles so krabbelt, kriecht und flattert.

Das Angebot ist kostenfrei, Anmeldungen sind nicht erforderlich.
Sonntag, 21. Mai von 11.00 bis 18.00 Uhr
Stadtmuseum Pinneberg
Dingstätte 25
Tel. 04101 – 20 74 65

michael.eifler@t-online.de

 

Günther Thiersch
Druckgrafik und Handzeichnung

Aus der Schenkung der Fielmann AG

Die Ausstellung gibt einen kleinen ersten Einblick in den umfangreichen Nachlass des 1914 in Neumarkt/Schlesien geborenen und 1986 in Pinneberg verstorbenen Maler, Günther Thiersch.
Der Nachlass umfasst neben den gezeigten Arbeiten weitere zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle und druckgrafische Blätter, über 40 Tafelbilder sowie Kataloge, Publikationen und Dokumente.

Dass dieser Nachlass nun im Stadtmuseum Pinneberg verwahrt, gepflegt und präsentiert werden kann, ist dem Engagement der Fielmann AG zu verdanken. Günther Fielmann unterstützt das Stadtmuseum bereits seit einigen Jahren und hat mit der Schenkung des Nachlasses von Günther Thiersch einen weiteren regionalen Schwerpunkt in der Sammlung des Stadtmuseums geschaffen.

Nach einem begonnenen Studium des Schiffbaus, aktiver Seefahrt, Dienst in der Marine, schwerer Verwundung und Kriegsgefangenschaft begann Günther Thiersch nach dem Krieg mit bereits 32 Jahren sein Studium der Kunsterziehung und Geographie in Hamburg. Frühe Studienarbeiten dokumentieren die ersten Jahre nach der Flucht, die er mit seiner Frau Annelie in Halstenbek Unterkunft gefunden hat. Neben zahlreichen Naturstudien aus dieser Zeit wird schon sehr früh deutlich, dass ein starkes Interesse an technischen Details vorherrschend ist.

Während Thiersch als engagierter Pädagoge 20 Jahre an der Bismarckschule (RG) in Halstenbek gelehrt hat, hat er eigene Publikationen veröffentlicht, daneben entstanden zahlreiche Illustrationen für den Klett-Verlag.

Als Künstler trat Günther Thiersch erstmalig 1965 im Neuen Kunstzentrum Hamburg öffentlich in Erscheinung. Sehr schnell entwickelte sich aus dem anfänglich eher Surrealen der später für ihn charakteristische Stil, der dem so genannten Magischen Realismus zuzuordnen ist. Seine „Technischen Kompositionen“ finden sich sowohl im graphischen Werk als auch in seiner von der Malweise her fast altmeisterlich anmutenden Tafelmalerei wieder.

Günther Thiersch zählt zu den hervorragenden Künstlern Schleswig-Holsteins der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Seine Arbeiten sind neben vielen Privatsammlungen in den Sammlungen großer Museen, wie etwa der Kunsthalle Kiel oder Schloss Gottorf in Schleswig zu finden.

Dieser Ausstellung werden weitere im Stadtmuseum Pinneberg folgen, so wird es in der zweiten Jahreshälfte im nächsten Jahr eine Auswahl der Tafelbilder geben.

Mehr zu Günther Thiersch auf www.guentherthiersch.de


Als Männer noch Masten bestiegen

PINNEBERG: Ausstellung im Stadtmuseum eröffnet / Lontzek dankt allen Helfern
Viele Gegenstände, die Erinnerungen wecken, gibt‘s im Pinneberger Stadtmuseum zu sehen.

Die vor 150 Jahren gegründeten Stadtwerke Pinneberg stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung im Stadtmuseum. Ganz offiziell wurde diese am Sonntag im Beisein vieler Gäste, darunter Bürgermeister Horst-Werner Nitt und Artur Lontzek, eröffnet. Der Bürgervorsteher verwies darauf, dass die Ausstellung die Geschichte der Stadtwerke Pinneberg, hervorgegangen aus der 1856 erfolgten Gründung der Pinneberger Gas-Aktiengesellschaft, widerspiegelt. Ebenso ging Lontzek auf die jüngere Vergangenheit und die inzwischen „private Rechtsform des Unternehmens“ ein, das „auf Grund seines großen unternehmerischen Erfolgs nicht zuletzt auch eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt, ist“.
Der Museumsleiterin Ina Duggen-Below dankte Lontzek für die liebevolle Anordnung der Ausstellungsstücke. Ebenso dankte er Johannes Seifert von der Geschichtswerkstatt der Volkshochschule sowie weiteren Helfern, die bei der Beschaffung der Ausstellungsstücke mitgeholfen haben. Teilweise wurden diese leihweise zur Verfügung gestellt, einiges stammt aber auch aus dem Fundus der Stadtwerke. Darunter die Urkunde, die die Gründung der Gas-Aktiengesellschaft „besiegelte“.
Auf diese Urkunde bezog sich Stadtwerke-Chef Henning Fuchs mit Hinweis auf den Neubau der Stadtwerke im Jahre 1997. Seinerzeit habe Seifert darauf verwiesen, dass im verstaubten Keller des alten Gebäudes sicher „viele Schätze lagern“ und habe diese „ausgegraben“, darunter die Urkunde. Daher könne die Geschichtswerkstatt als Rückgrat der Ausstellung gesehen werden.
Einige „Meilensteine“ aus der Geschichte der Stadtwerke stellte sodann Seifert vor. Erstmals in Umlauf gebracht wurde überdies die Denkschrift
„150 Jahre Stadtwerke“.
Nach dem offiziellen Teil erinnerten sich etliche der etwa 50 Besucher beim Gang durch die Räume an frühere Zeiten: „Das fanden wir als Kinder immer herrlich, wenn die Männer mit ihren Steigeisen auf die Strommasten geklettert sind“, schwelgte Beate Seifert. „Das sah richtig gefährlich aus, häufig haben wir mitgezittert, ergänzte Birgit Hachmann beim Betrachten eines entsprechenden Fotos aus jener Zeit. Das Lieblings-Ausstellungsstück von Museumsleiterin Duggen-Below ist ein von dem Pinneberger Ulrich Binder im Jahre 1955 gebautes Radio, von dem „der lederne Tragegriff das Beste ist“. (hah)

Pinneberger Tageblatt, 29.8.2006

Zum Jubiläum eine Spende fürs Museum

PINNEBERG -
Pinnebergs Stadtmuseum freut sich über eine großzügige Spende von den Stadtwerken. Anlass ist das 150-jährige Bestehen des Versorgungsunternehmens. Auf Geburtstagsgeschenke verzichtete das Team von Geschäftsführer Henning Fuchs und reichte den auf 2500 Euro aufgestockten Betrag aus Spenden sowie dem Erlös einer Tombola dem Förderverein des Stadtmuseums weiter.
"Das ist die größte Barspende, die wir je erhalten haben", freute sich Fördervereins-Vorsitzender Wolfgang J. Domeyer. Das Geld soll nach Angaben der Museumsleiterin Ina Duggen-Below dazu verwendet werden, über dem Eingang des ehemaligen Amtsgerichtes ein großes, deutlich sichtbares Schild mit der Aufschrift Museum anzubringen.
Fuchs machte deutlich, dass mit der Spende auch die Hoffnung verbunden sei, dass das Museum erhalten und nicht aus Kostengründen geschlossen werde. Um diesbezüglich Optimismus zu dokumentieren, sind die Stadtwerke künftig auch Mitglied im Förderverein und haben sich zu einem freiwilligen Jahresbeitrag in Höhe von 250 Euro verpflichtet.
Eine Sonderausstellung zum Jubiläum der Stadtwerke ist im Museum noch bis zum 2. Dezember zu besichtigen. Dort ist ferner gegen eine Spende eine Festschrift mit einem geschichtlichen Abriss zu erhalten.
mg
erschienen am 14. November 2006
Pinneberger Zeitung

Ein Schild fürs Stadtmuseum
PINNEBERG: Institution freut sich über Spende der Stadtwerke

Ohne Spenden geht nicht viel: Ina Duggen-Below
kann sich über 2500 Euro von den Stadtwerken der Kreisstadt freuen.

In Zeiten der Finanzknappheit ist ehrenamtliches Engagement besonders wichtig. Die Stadtwerke Pinneberg sind im Jahr ihres 150-jährigen Jubiläums besonders großzügig. Werkleiter und Geschäftsführer Henning Fuchs radelte kürzlich mit einem großen Scheck in das Stadtmuseum, freudig begrüßt von der Museumsleiterin Ina Duggen-Below und von Wolfgang J. Domeyer, Vorsitzender des Fördervereins Stadtmuseum Pinneberg.
Während der Übergabe begnügten sich die Teilnehmer mit kurzen Ansprachen: Fuchs ging auf die verschiedenen Aktivitäten im Jubiläumsjahr und die gute Resonanz der Bevölkerung ein. 1200 Interessenten hätten die Ausstellung im Stadtmuseum besucht.

Tombola für den guten Zweck
Höhepunkt des Jubiläumsjahres war Festempfang mit 200 Gästen aus der Bevölkerung, Politik und Wirtschaft. Der Erlös einer Tombola in Höhe von 1300 Euro war von Anfang an für gemeinnützige Zwecke gedacht. Die Stadtwerke rundeten die Spende auf 2500 Euro auf.
„Hiermit möchte ich Ihnen einen entsprechenden Scheck überreichen“, so der Werksleiter. Domeyer bedankte sich und erwähnte, dass der Betrag die bislang größte Barspende für das Museum ist - die größte Sachspende kam kürzlich von der Sparkasse Südholstein. „Das Museum ist auf Spenden angewiesen, damit bestimmte Dinge angeschafft und Renovierungen durchgeführt werden können“, so der Vorsitzende.
Wofür aber ist das Geld bestimmt? „Wir wollen mehr auf uns aufmerksam machen“, so Duggen-Below. Am Gebäude solle bald in großen Lettern der Schriftzug „Museum“ prangen. Fuchs wartete mit einer weiteren Mitteilung auf:
Die Stadtwerke treten rückwirkend zum 1. Januar 2006 dem Förderverein mit einem freiwilligen Beitrag von jährlich 250 Euro bei.(gm)

erschienen am 13. Dezember 2006
Pinneberger Tageblatt

2007

Von der Obrigkeit kritisch beäugt
Ausstellung: Stadtmuseum würdigt mit Sonderschau 150-jähriges Bestehen des Männergesangvereins

Er ist der älteste noch bestehende Verein Pinnebergs. Dank seines reichhaltigen Archivs kann die bewegte Geschichte des Männergesangvereins ausführlich dokumentiert werden.
VON BERTHOLD WAGNER

In den ersten Jahren nach seiner Gründung konnten die Mitglieder viele ihrer Lieblingslieder allenfalls hinter verschlossenen Türen singen — heute verbietet ihnen keiner mehr den Mund, und zu ihren Auftritten strömt das Publikum. Der Männergesangverein (MGV) von 1857 Pinneberg ist der älteste noch bestehende Verein der Kreisstadt. Anlässlich seines 150-jährigen Bestehens widmet sich nun die Ausstellung „Denn wo man singt...“ im Stadtmuseum Pinneberg der Singgemeinschaft.
„Wir befinden uns in der glücklichen Lage, über ein reichhaltiges Archiv zu verfügen“, erklärte MGV-Vorsitzender Werner Jensen den zur Ausstellungs-Eröffnung erschienen Gästen. Diesen Fundus hätte Museumsleiterin Ina Duggen-Below sorgfältig gesichtet und die aussagekräftigsten Exponate in eine zeitlich schlüssige Reihenfolge geordnet.
„Der Männergesangverein stellt mit seiner langjährigen Geschichte selbst einen wichtigen Teil der Stadt-Historie Pinnebergs dar“, würdigte Ina Duggen-Below die Bedeutung der Ausstellung. Vor allem die ersten Jahre würden ein Schlaglicht auf die politischen Verhältnisse ganz Schleswig-Holsteins werfen, vor allem auf den erwachenden Widerstand national gesinnter Kreise gegen die dänische Herrschaft.
So wird im ersten Abschnitt der Ausstellung die Entstehung des MGV in die rege Zeit der Vereinsgründungen in Pinneberg‘ ab Mitte des 19. Jahrhunderts eingereiht. 70 Vereine lassen sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Pinneberg bei einer Bevölkerungszahl von 4000 Einwohnern nachweisen.
Begleitende Texte informieren, wie vor allem die Chorgemeinschaften argwöhnisch von der Obrigkeit beobachtet wurde. Das Singen patriotischer Lieder, in denen die Forderung nach Einheit der Herzogtümer Schleswig und Holstein unter deutscher Herrschaft mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck kamen, waren streng untersagt und Zuwiderhandlungen konnten sogar Vereinsauflösungen bewirken.
Im zweiten Raum wird speziell die Vereinsgründung des MGV dargestellt, ehe abschließend im dritten Sektor Proben, Auftritte und weitere Aktivitäten bis in die jüngste Geschichte des Vereins gezeigt werden, Besucher können auf historischen Fotos eventuell stimmgewaltige Vorfahren identifizieren, Mitgliederlisten studieren, Veranstaltungsplakate betrachten und fantasievolle Kostüme bewundern wie etwa die anlässlich eines Konzerts mit dem Titel „Balalaika-Klänge“ entworfene prächtige Kosakentracht. „Der Männergesangverein hat nicht nur anderthalb Jahrhunderte überlebt“, er prägt auch heute noch die kulturelle und gesellschaftliche Szene Pinnebergs“, beschreibt Chormitglied und Verfasser der Festschrift Erhard Schimanski die Bedeutung des Jubiläums. Die Ausstellung „Denn wo man singt...“ sollten sich Musikliebhaber und Geschichtsinteressierte nicht entgehen lassen. Sie dauert bis zum 28. April. Öffnungszeiten des Stadtmuseums Pinneberg in der Dingstätte 25: Dienstag-Freitag 17- 19 Uhr, Donnerstag 10- 12 und 15- 17 Uhr und Sonnabend 11- 13 Uhr.

Pinneberger Tageblatt, 6.2.2007

 


Pinneberg 71-Jähriger stellt seine Objekte im Stadtmuseum aus
Kinetische Kunst zum Kurbeln
Der gelernte Grafiker aus Meezen hat eine Vorliebe für skurrile, fantastische, aber funktionstüchtige Maschinen.

Von Kuno Klein

Pinneberg -

Museumsleiterin Ina Duggen-Below freut sich, dass am Sonntag, 20. Mai, um 11 Uhr die Ausstellung "KKoch - technische Kunst-Stücke" im Pinneberger Stadtmuseum, Dingstätte 25, eröffnet wird. Und Klaus Koch, der sich hinter dem Künstlernamen KKoch verbirgt, wird selbst bei dem Auftakt zu der Schau anwesend sein und etwas über seine Werke erzählen. Und sicherlich wird dabei auch die Rede vom Spieltrieb des 71-Jährigen sein, denn seine Maschinenobjekte bewegen sich durch Handkurbeln, die auch von den Besuchern gedreht werden dürfen, sowie durch selbstgebaute Heißluft- und und Dampfmaschinen.

Koch erschafft überwiegend aus Messing, seinem bevorzugten Material, kleine Kunstwerke, von denen man nur schwer die Finger lassen kann und soll. Viele laden die Ausstellungsbesucher ein, selbst Hand anzulegen, um sie in Bewegung zu versetzen. Angesichts dessen zitiert die Stadtmuseumsleiterin gerne eine Ausstellungsbesucherin einer anderen Koch-Schau, die sagte: "Es macht Spaß zu sehen, wie es KKoch Spaß macht, dem Publikum Spaß zu machen."

Eigentlich ist Koch, der im schleswig-holsteinischem Meezen wohnt, gelernter Gebrauchsgrafiker und arbeitete als solcher rund 50 Jahre selbstständig. Daneben entstanden unter seinem Pseudonym Lucas Epret kristische Cartoons und satirische Texte. Einige Cartoons werden auch in der Pinneberger Ausstellung gezeigt.

Seine Vorliebe für skurrile, fantastische, aber funktionstüchtige Maschinenobjekte entdeckte er 1970. Besonders angetan ist er vom Sterling-Motor, der nur durch heiße Luft angetrieben wird. Zahlreiche Exponate nutzen diese Antriebskraft.

"Wenn man die Maschine im Kopf hat", sagt Koch, "dann sieht man nur noch Zubehör." Da werden in der Fantasie beim Bummel über Flohmärkte zum Beispiel alte Gabeln zu Schwungrädern. Angesichts so viel Leidenschaft verwundert es wenig, dass der Künstler die Zahl seiner von ihm gebauten Heißluftmaschinen mittlerweile mit 240 angibt. Die sind selbstverständlich nicht alle im Pinneberger Stadtmuseum zu bewundern. Dennoch ist die Auswahl groß und macht den Besuch für alle, die sich ein Stück Kindlichkeit und Spaß am Entdecken bewahrt haben, zu einem Erlebnis.

Die Ausstellung "KKoch - technische Kunst-Stücke" ist bis zum 28. Juli im Stadtmuseum zu sehen. Diese Schau wie auch die Dauerausstellung ist dienstags, mittwochs und freitags von 17 bis 19 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

erschienen in der Pinneberger Zeitung am 19. Mai 2007

First Jazz in Pinneberg ( 50er/60er Jahre)
vom 10. bis 25. August


Die Ausstellung dokumentiert anlässlich des "Summer Jazz" die Pinneberger Jazzszene von ihren Anfängen bis in die 60er Jahre.

Nachdem in der zweiten Hälfte der 50er Jahre die gröbsten Kriegsnachwirkungen überwunden waren, entwickelte sich auch unter Pinneberger Jugendlichen allmählich eine eigenständige Kultur, die sich von der „Spießigkeit“ der 50er Jahre abgrenzen wollte.
So entwickelte sich neben Hamburg als Hochburg dieser Musikrichtung auch in Pinneberg eine eigene Jazzszene.

Wie aus einem Schreiben der Reichsmusikkammer zur Zeit des Nationalsozialismus ausdrücklich hervorgeht, war der Jazz als „undeutscher Lärm“ verpönt.
Diese Einstellung wirkte auch nach 1945 noch nach und weite Teile sowohl der Eltern- und Lehrerschaft als auch der Bevölkerung bezeichneten Jazz abwertend als „Negermusik“, eine Diskriminierung in doppelter Hinsicht. Ein Pinneberger „Jazzer“ musste deshalb sogar den Kirchenchor verlassen.
Die Jazzer fühlten sich als eine unverstandene Minderheit – eine verschworene Gemeinschaft, wodurch sie sich natürlich noch enger zusammenschlossen. Es sollte noch viele Jahre dauern, bis der Jazz auch in der breiten Öffentlichkeit anerkannt wurde.

Es gab allerdings auch Ausnahmen, so unterstützten z.B. einige Pinneberger Gastwirte die Bands mit der Bereitstellung von Proben- und Auftrittsmöglichkeiten.
1957 fanden schon die ersten Jazz-Konzerte im Park-Hotel statt. Weitere Jazzveranstaltungen bei denen auch getanzt wurde, fanden im Cap Polonio und im Osterholder Quellental statt. Auch der Ratskeller bot bis 1959 die Möglichkeit für regelmäßige Jazzabende.
Die Old Castle Gang war die erste Jazzband, die sich 1956 in Pinneberg gegründet hat. Konzerte, auch gemeinsam mit anderen Bands, gaben sie hauptsächlich im Parkhotel am Fahltskamp in Pinneberg. 1958/59 lösten sie sich dann allmählich auf, da die Mitglieder durch Ausbildung, Studium oder Wehrdienst anderen Verpflichtungen nachgehen mussten.
Weitere Bands waren die Sandy Street Jazzman aus Uetersen und die Pinneberger Barrelhouse Jazzmen. Sie spielten 1959 erstmals zusammen und bildeten fortan mit wechselnden Besetzungen immer wieder neue Formationen. Sie spielten häufig im Osterholder Quellental. Zum Ende eines jeden Abends gab es die so genannte Jam Session, bei der jeder, der ein Instrument spielen konnte, mitmachen durfte.
Nach mehrmaligen Umbesetzungen und Namensänderungen formierten sich die Rosetown Dixieland Oldies, die bis heute aktiv in der Musikszene vertreten sind. Das Domizil der Band ist bis heute das Lokal „Zur Schmiede“, wo in diesem Jahr am 27. April das 25-jährigie Jubiläum „Jazz in der Schmiede“ gefeiert wurde.

Zum Abschluss der Ausstellung: Jazz Frühschoppen mit den „Rosetown Dixieland Oldies“

Am Sonntagmorgen, dem 26.8. herrschte qualvolle Enge im Stadtmuseum. Der Förderverein Summerjazz unter Günter Kleinschmidt und Herbert Hoffman hatte zu einem Jazzfrühschoppen in das Stadtmuseum geladen. Wie schon auf dem Summerjazz zeigte sich, dass die "Rosetown Dixieland Oldies" in Pinneberg über eine zahlreiche Anhängerschaft verfügen. Findige Fans stellten oder setzen sich bei bestem Wetter in den Drosteipark, um durch die geöffneten Fenster der Musik zu lauschen. Museumsleiterin Ina Duggen-Below wurde nicht müde, durch das volle Treppenhaus immer wieder für den Nachschub an frisch gereinigten Gläsern zu sorgen. Zweifelsohne eine gelungene Veranstaltung des Stadtmuseums, die auch zur Belebung der Innenstadt beitrug.

 

Surreale Welten — noch bis November
PINNEBERG:  Schau im Stadtmuseum

Surreale Welten bestimmen die Bilder des 1986 in der Kreisstadt verstorbenen
Lehrers Günther Thiersch. Sie sind jetzt im Stadtmuseum zu sehen.

Zahlreiche Gäste, darunter auch Bürgermeister Horst Werner Nitt und die Ehefrau des Künstlers Günther Thiersch, konnte Museumsleiterin Ina Duggen-Below kürzlich zur Eröffnung der Gemäldeausstellung begrüßen. In den Räumen des Museums neben der Drostei hängen Ölbilder des verstorbenen Pinneberger Künstlers. Möglich machte die Schau Dr. Günther Fielmann, der den Thiersch-Nachlass erwarb und dem Stadtmuseum geschenkt hat.

Die Fielmann-Gruppe ist seit langem Sponsor im kirchlichen und gesellschaftlichen Bereich. Im Kreis Pinneberg werden in nächster Zeit die
Museen in Uetersen und Wedel unterstützt, während das Industriemuseum in Elmshorn bereits eine große Keramiksammlung erhielt.

Duggen-Below ging in ihrer Festansprache auf die beiden Schaffensperioden des Künstlers ein. Die erste ist noch dem Surrealismus zuzuordnen, seine Werke sind geprägt von technisch-konstruktiven Formen, die sich in fantastischen Metamorphosen ins Organische wandeln.
Ganz anders jedoch seine späteren Werke: Sie sind ganz dem Magischen Realismus verpflichtet und widmen sich einer komponierten technischen Apparatewelt. Technische Kompositionen nannte Günther Thiersch lapidar seine Arbeiten und gab so Raum für die Fantasie der Betrachter.
Bis in den November hinein sind die Werke im Stadtmuseum zu sehen. (gm)

Pinneberger Tageblatt, 27.9.07

 

Zu langsam aber nur für die Kriegsherren
AUSSTELLUNG: Stadtmuseum würdigt den zu seiner Zeit weltberühmten Schnelldampfer „Cap Polonio:

Eine Legende erwacht wieder zum Leben: Die äußerst sehenswerte Ausstellung „Willkommen an Bord“ erinnert an einen berühmten Luxusdampfer, dessen Namen auch ein Pinneberger Hotel trägt.

Der große Raum im Erdgeschoss des Pinneberger Stadtmuseums konnte die zahlreichen Gäste kaum aufnehmen: Mehr als 100 Besucher erschienen zur Eröffnung der aktuellen Ausstellung des Hauses. Museumsleiterin Ina Duggen-Below bewies mit dem Thema „Willkommen an Bord - Cap Polonio auf großer Fahrt“ erneut Gespür für das Interesse des Publikums. Und eine sichere Hand bei der Auswahl, Präsentation und Erläuterung der Exponate.
            „Eine Ausstellung, die ihresgleichen sucht“, lobte Arnold Kludas, als Normentechniker im Schiffbau, Autor etlicher Fachbücher und Leiter von maritimen Bibliotheken ein ausgewiesener Experte der Materie. Der Fachmann beeindruckte selbst mit einem ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Vortrag, mit dem er den Anwesenden die Geschichte des Schnelldampfers nahe brachte. Der Ozeanriese war zu seiner Zeit eines der berühmtesten Schiffe der Welt.
            Mit der 20000 Bruttoregistertonnen umfassenden und 19 Knoten schnellen „Cap Polonio“, die am 25. März 1914 bei Blohm & Voss vom Stapel lief, visierte die Reederei Hamburg Süd den endgültigen Spitzenplatz in der europäischen Südamerika-Fahrt an.

Marine sichert sich das Schiff

            Doch Anfang August des Jahres brach der Erste Weltkrieg aus und die Kaiserliche Marine beschlagnahmte die „Cap Polonio“ als Kriegsschiff. Grau angestrichen, der Inneneinrichtung beraubt, mit leichten Geschützen bestückt und in „Vineta“ umgetauft, sollte der ursprüngliche Passagierdampfer zusammen mit seinen Schwesternschiffen der britischen Seemacht die Stirn bieten. Doch als er auf der Probefahrt nur 17 statt der erwarteten 19 Knoten fuhr, verzichteten die Befehlshaber auf einen Einsatz.
            Nach der Niederlage Deutschlands kurzzeitig im Besitz britischer Reedereien, kam die „Cap Polonio“ 1921 zurück an die Hamburg Süd. „Sie erregte mit ihrer Schönheit und ihrem Luxus in Montevideo, Buenos Aires und Rio großes Aufsehen, war beliebt vor allem bei den südamerikanischen Passagieren“, berichtete Kludas.
            Die Weltwirtschaftskrise und der Bau noch größerer und schnellerer Schiffe beendeten jedoch frühzeitig die triumphalen Jahre des Prunkstücks. Von den Nazis wurde die in Hamburg an der Überseebrücke festliegende „Cap Polonio“ zu Propagandazwecken missbraucht: Gegen 30 Pfennige Eintritt konnten sich Interessierte an Bord der einst stolzen Meeresbeherrscherin nun in der „Braunen Messe“ über die „Segnungen“ des Dritten Reichs informieren. 1935 wurde die „Cap Poionio“ zum Abwracken nach Bremerhaven überführt.

Bord-Ingenieur rettet Inventar

            Der ehemalige Bord-Ingenieur Otto Albers rettete wesentliche Teile der Inneneinrichtung, mit dem er sein Pinneberger Gasthaus „Hotel Cap Polonio“ ausstattete. Die heutigen Besitzer des Hotels haben Möbelstücke des früheren Luxusdampfers für die Austeilung zur Verfügung gestellt. Museen und private Sammler steuerten Modelle, Originalplakate und als Blickfang der Schau die riesige Schiffsglocke des Ozeanriesen bei.
            Auch eine Schellack-Platte mit dem „Cap-Polonio-Tango“ ist zu sehen. Große Fotografien zeigen Bilder vom Bordleben. Bis zum 28. Juni heißt es „Willkommen an Bord“ im Pinneberger Stadtmuseum an der Dingstätte.
            Es hat Dienstag und Mittwoch von 17 bis 19 Uhr, Donnerstag von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, Freitag von 17 bis 19 Uhr und Sonnabend von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

B. Wagner, Pinneberger Tageblatt, 5.2.2008

Erinnerungen an den Luxusdampfer "Cap Polonio"

Zur Eröffnung am 3. Februar werden Schifffahrts-Chronist Arnold Kludas und Museumsleiterin Ina Duggen-Below erzählen.

Von Marion Girke
"Willkommen an Bord" heißt es am Sonntag, 3. Februar, im Pinneberger Stadtmuseum. Um 11 Uhr wird in dem Gebäude im ehemaligen Amtsgericht neben der Drostei eine Ausstellung über den ehemaligen Schnelldampfer "Cap Polonio" eröffnet. Die Schau mit Fotos und anderen Ansichten, Texttafeln und Original-Ausstattungsstücken erstreckt sich auf drei Räume und ist bis zum 28. Juni zu sehen.
Zur Eröffnung um 11 Uhr werden Schifffahrts-Chronist Arnold Kludas und Museumsleiterin Ina Duggen-Below auf die Vergangenheit des Ozean-Liners eingehen, dem auf See nur eine kurze Blütezeit vergönnt war. Zu seiner Zeit war die "Cap Polonio" das größte und schnellste Schiff der neuen deutschen Handelsflotte. Der Speisesaal der ersten Klasse sowie weitere Ausstattungsstücke zieren bekanntlich die Einrichtung des Pinneberger Hotels und Restaurants "Cap Polonio", das für die Ausstellung im Museum einige Stücke überlassen hat.
Ein zentraler Blickfang der Ausstellung ist neben einem großen Modell die Schiffsglocke der "Cap Polonio", die einen dauerhaften Platz im Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven gefunden hat. Es ist aber auch Geschirr zu sehen, von denen die Passagiere die üppigen Kreuzfahrt-Mahlzeiten zu sich nahmen.
Dazu ausgelegte Speisekarten verraten, welcher Art diese Genüsse waren. So wurde am 3. Mai 1923 zum zweiten Frühstück aufgetischt: Roastbeef mit Remoulade, Ölsardinen, roher Schinken, Bauernwurst, Leberwurst, Blutwurst, Beefsteak und Käse.
Betrachter erfahren Einzelheiten über den unterschiedlichen Standard in den drei Unterbringungsklassen an Bord. Spitzenqualität herrschte in sechs Luxuswohnungen der ersten Klasse. Sie bestanden jeweils aus einem großen Wohnzimmer und einem Schlafzimmer und verfügten über Bad, Gepäckraum, und Bedientenzimmer. Der Speisesaal war separat.
Auch auf die Ausstattung der zweiten Klasse wurde viel Aufmerksamkeit verwandt. Der Damensalon war mit einer weiß gestrichenen Wandvertäfelung mit heller Seidenbespannung versehen. Die Polstersessel waren mit Gobelinbezügen hergerichtet. Die dritte Klasse bestand aus einer Kammer, verfügte aber immerhin über einen Speisesaal mit Klavier. Dort gab es Tische mit Drehstühlen.
Für die sanitären Einrichtungen waren alle Erfahrungen auf bisherigen Luxusschiffen ausgewertet worden. In der Luxusklasse waren Waschtische aus Alabasterglas vorhanden, die dritte Klasse musste sich mit Gemeinschaftswaschräumen mit Steingut-Becken begnügen.
Die Eröffnung von "Willkommen an Bord" wird von "Wagners Salonensemble" mit Musik der "Belle Epoque" begleitet. Die Öffnungszeiten des Museums: Dienstag/Mittwoch von 17 bis 19 Uhr, Donnerstag von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, Freitag von 17 bis 19 Uhr und Sonnabend von 11 bis 13 Uhr.

erschienen in der Pinneberger Zeitung am 31. Januar 2008

Lesung zur Cap-Polonio- Ausstellung

Mit einer plattdeutschen Lesung geht im Pinneberger Stadtmuseum eine Sonderausstellung über das Luxus-Passagierschiff "Cap Polonio" zu Ende. Am Dienstag, 24. Juni, liest Maren Schütt von 19 Uhr bis 20 Uhr aus dem Buch von F. C. Müller, in dem er über seine aktive Zeit an Bord berichtet. Er schildert das luxuriöse Leben der Passagiere ebenso wie die beschwerlichen Arbeitsbedingungen an Bord. Der Titel des Buches lautet: "Theinmol noh Rio un wedder trüch". Müller heuerte einst für zweieinhalb Jahre an und arbeitete als Aufwäscher, Wintergartengehilfe und Borddrucker.
mg

Pinneberger Zeitung, 21. Juni 2008


Blicke auf den Schatz des Genies
AUSSTELLUNG: Die umfangreiche Mineraliensammlung Johannes Görbings ist im Stadtmuseum zu sehen.
Kaum zu glauben, dass diese Kostbarkeiten Jahrzehnte vergessen im dunklen Rathauskeller lagerten.

VON BERTHOLD WAGNER

Auch sein Abgangszeugnis gehört zu den Ausstellungsstücken — es zeigt, dass Johannes Görbing kein wirklich ehrgeiziger Schüler gewesen sein kann. Doch wozu benötigt ein Genie und Lebenskünstler gute Schulnoten? Görbing, am 28. Juni 1877 in Weißensee (Thüringen) geboren und am 30. Dezember 1946 in Hamburg verstorben, war ein Multitalent, ein begnadeter Wissenschaftler auf unterschiedlichsten Gebieten und eine schillernde Persönlichkeit dazu.
Während seiner ausgedehnten Auslandsreisen sammelte er Zeugnisse der Vor- und Frühgeschichte, der Antike und der Volkskunde. Vor allem aber auch mehr als 4000 Mineralien und Edelsteine. Diese lange in Vergessenheit geratene Sammlung hat Pinnebergs Museumsleiterin Ina Duggen-Below jetzt ans Tageslicht geholt. Ein Schatz allerersten Ranges, brillant präsentiert.
Raum 1 des Stadtmuseums. Abgedunkelt, geheimnisvoller blauer Lichtschein. Fünf Kugeln scheinen in der Luft zu schweben. Das vom Glas umschlossene Gestein: Auf den ersten Blick dunkelgrau und eher unscheinbar. Doch Duggen-Below zieht mit der ersten Abteilung der Sonderausstellung gleich ihre Trumpfkarte: Meteoriten, außerirdische Gäste aus den Weiten des Weltraums.
„Regionen, unerreichbar für uns Menschen“, erklärt Dr. Jochen Schlüter, Leiter des Mineralogischen Museums der Universität Hamburg, der die Ausstellung eröffnet. „Diese Materie ist 500 Millionen Jahre älter als die ältesten Steine der Erde, wir können durch sie Rückschlüsse auf die Entstehung unseres Sonnensystems ziehen.“
Im Nachbarraum eine lebensgroße Fotografie Görbings an der Wand. Auf der Schulter des Apothekers, Bodenkundlers und Agrikulturphysiologen: Ein Chamäleon. Der Wissenschaftler war während des Ersten Weltkriegs zunächst als Stabsapotheker an der Westfront eingesetzt, später als Hygieniker in Vorderasien.
Er interessierte sich vor Ort für die ackerbaulichen Probleme der Landwirte. 1919 gründete er in Hamburg-Groß Borstel ein landwirtschaftliches Untersuchungslaboratorium, das er 1926 als „Forschungsanstalt für Bodenkunde und Pflanzenernährung“ nach Rellingen verlegte. Die von ihm entwickelte „Spatendiagnose“ über die Beschaffenheit des Ackerbodens beschrieb er in einem zweibändigen Werk, das heute zu den Klassikern ökologisch orientierten Acker-und Pflanzenbaus zählt.
„Seine Sammlung wurde 1951 der Stadt Pinneberg übergeben“, berichtet Duggen-Below. „Doch sie verschwand zunächst im Keller des Rathauses und damit lange aus dem Bewusstsein der Nachwelt.“ Doch die Leiterin des Pinneberger Stadtmuseums begann vor acht Jahren die Stücke zu reinigen und zu archivieren, fügte eine Auswahl dem Museumsinventar als Dauerausstellung bei. „Die Resonanz und der Wunsch, mehr zu sehen, waren so groß, dass ich kontinuierlich an der jetzigen Sonderausstellung gearbeitet habe“, erklärt Duggen-Below. Entstanden ist eine ebenso ästhetische wie nach den neun Klassifikationen der Mineralogie wissenschaftlich exakte Präsentation, „nach der selbst unser Haus sich alle Finger lecken würde“, zollt Jochen Schlüter Beifall. „Das sind einzigartige Kostbarkeiten aus klassischen Fundstellen, die heute zum Teil gar nicht mehr existieren.“
Die Besichtigung dieses Schatzes ist kostenfrei und dienstags, mittwochs und freitags von 17 bis 19 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 13 Uhr möglich. Schulklassen und Gruppen erhalten auf Anfrage Sondertermine.

Pinneberger Tageblatt, 13.10.2008

Bernstein schleifen im Stadtmuseum
Kinderaktion am Samstag, den 27. Juni 2009,
11.00 bis 13.00 Uhr

Kaum zu glauben – der Bernstein, der aus dem Tagebau in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) stammt, ist 22 Millionen Jahre alt. Kinder ab 6 Jahren haben am letzten Tag der Mineralienausstellung im Stadtmuseum die Möglichkeit, aus diesem wertvollen Material mit Hilfe von Schmirgelpapapier und Zahncreme kleine Amulette, Glücksbringer oder Handschmeichler herzustellen. Wichtigstes Hilfsmittel dabei ist allerdings Geduld!

Samstag, 16. Mai 10.00 bis 13.00 Uhr
Eiszeitmuseum zu Gast im Pinneberger Stadtmuseum

„Geheimnis der Kristalle“
Steine bestehen aus Mineralien und fast alle Minerale sind Kristalle. Vom Geheimnis der Kristalle, von schönen, großen und kleinen, unscheinbaren Kristallen und solchen, die uns täglich umgeben, ohne dass wir es wissen, erzählt die Diplom-Mineralogin Gisela Lentz vom Eiszeitmuseum in Lütjenburg.
Formen und seltsame optische Effekte bieten überraschende Einblicke in den inneren Aufbau der Kristalle.
Doch man kann nicht nur schauen und zuhören, sondern Kinder von 6 bis 66 Jahren können auch noch selbst Hand anlegen und Papierkristalle basteln.

 

Geschlechtertrennung am See
AUSSTELLUNG: Stadtmuseum zeigt „Badespaß und Sommerfreuden in ‚Alt Pinneberg“

Nicht nur die Einheimischen schätzten die idyllischen Plätze am Wasser. In Scharen besuchten auch die Städter aus Hamburg den damals beliebten Ausflugsort an Pinnau und Mühlenau.

VON BERTHOLD WAGNER

PINNEBERG. Nein, sexy, wie heutzutage gerade bei Badebekleidung häufig erwünscht, wirkt es nicht. Dafür schicklich: Die Schultern werden sittsam bedeckt, auch von den Beinen lässt es nicht mehr als nötig erkennen, und der dicke Stoff verrät von den übrigen Konturen der Haut ebenfalls nicht viel. Das etwa 100 Jahre alte Badekleid für Frauen ist eines der Prunkstücke der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Pinneberg. Sie präsentiert „Badespaß und Sommerfreuden in ‚Alt Pinneberg“.
            „Die Ausstellung basiert aufdem letzten Vortrag des Stadtchronisten Klaus May, den er kurz vor seinem Tod im Dezember 2006 ausgearbeitet hatte“, berichtet Museums-Leiterin Ina Duggen-Below. Sie hat nun mit Hilfe ihrer Mitarbeiterin, der Kunsthistorikerin und Langzeit-Praktikantin Anna Selent, aus dem Material eine Schau konzipiert, die nicht nur die sommerlichen Freizeitgewohnheiten der Pinneberger während der vergangenen 150 Jahre darstellt. Die Sonderausstellung dokumentiert gleichzeitig, dass die heutige Kreisstadt damals ein beliebter Ausflugsort war.
            Präsentiert werden unter anderem großformatige Digitaldrucke historischer Postkarten. Die Motive zeigen züchtiges, nach Geschlechtern streng getrenntes Badevergnügen, aber auch eine romantische Bootspartie im Mondschein. Beliebt war das verzweigte Gelände des Mühlenteichs mit seinen vielen Buchten und Inseln. Zahlreiche gemütliche Gartenlokale ergänzten den Badespaß. Einen erst-
klassigen Namen auch in Hamburg und Altona genoss das an einem später ausgebobenen See gelegene Ausflugslokal „Osterholder Quellental“. Die Städter fuhren in Scharen mit der Bahn zur Sommerfrische nach Pinneberg. Historische Plakate beweisen, dass Theater, Jahrmarkt und weitere Freizeitvergnügungen die Attraktivität Pinnebergs erhöhten.
            Im Februar 1973 wurde nach jahrelang vorausgegangenem heftigen politischen Gerangel das damals größte Hallenbad Schleswig-Holsteins eingeweiht. „Ein vorbildliches Projekt mit modernster Ausstattung, das für nur fünf Millionen Mark errichtet wurde“, berichtet Arno Nicolaisen, Bäderleiter der Stadtwerke Pinneberg. Das Unternehmen sponsert die Ausstellung und hat zudem etliche Exponate zur Verfügung gestellt.
            Der äußerst spannende Streifzug durch die Geschichte endet mit dem Bau der Wasserski-Anlage auf dem Gelände des ehemaligen Freibads an der Burmeisterallee vor zwei Jahren. Morgen wird die Ausstellung um 11 Uhr mit einer Einführung von Ortshistoriker Dieter Beig eröffnet. Sie dauert bis zum 1. Oktober. Das Stadtmuseum in der Dingstätte ist Dienstag, Mittwoch und Freitag von 17 bis 19 Uhr geöffnet, am Donnerstag von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, am Sonnabend von 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei. Gruppen und Schulklassen können Extra-Termine vereinbaren.

Pinneberger Tageblatt, 22.8.2009

Badespaß im alten Pinneberg
Eröffnung am 23. August in der Dingstätte 25. Viele Leihgaben von Stadtwerken und der Stiftung der Landesmuseen.

Kuno Klein Pinneberg
„Ich hab das Fräul‘n Helen baden sehn, das war schön. Da kann man Waden sehn, rund und schön im Wasser steh‘n.“ Leise erklingt dieses Lied als Hintergrundmusik im Pinneberger Stadtmuseum in der Dingstätte 25. Der Evergreen passt bestens zu der Sonderausstellung „Badespaß und Sommerfreuden in Alt Pinneberg“, die am Sonntag, 23. August, um 11 Uhr im Erdgeschoss des Museums eröffnet wird. Zu den historischen Klängen der Comedian Harmonists können die Besucher in eine längst vergangene Zeit eintauchen und während des Rundgangs ein wenig in Nostalgie schwelgen.
            In der Schau ist auch Badebekleidung zu sehen, wie sie das Fräulein Helen in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts getragen haben könnte. Und auf viel mehr als die Waden ließen diese Badeanzüge wirklich keinen Blick zu. „Die Sachen hat uns die Stiftung der Landesmuseen Schloss Gottorf zur Verfügung gestellt“, sagt Museumsleiterin Ina Duggen-Below. Leihgaben gab es auch von den Pinneberger Stadtwerken, die heute Betreiber der Pinneberger Badeanstalt sind.
            Das Pinneberger Wochenblatt von 1887 berichtete: „Vom 1. bis zum 31. August angekommen 406 Badegäste, abgereist 339 Badegäste.“ Speziell die Flussläufe Pinnau und Mühlenau boten viele Möglichkeiten zum sommerlichen Badevergnügen und für romantische Bootspartien zum Ende des 19. Jahrhunderts. Besonders die Bewohner Altonas nutzten Pinneberg gerne als Ausflugsziel, das dank der Bahnstrecke gut zu erreichen war.
            Der Ausflug in die Vergangenheit beginnt in der Flussbadeanstalt mit ihren hölzernen Badekabinen, die auf Eichenpfählen ruhten und in den Fluss hineinragten. Hier ging es sehr sittsam zu. Für Frauen und Männer gab es getrennte Badezeiten.
            Postkarten erinnern an den Mühlenteich, der mit seinen Inselchen gerne für Ruderpartien genutzt wurde. Im Rahmen von Baumaßnahmen verschwand der Mühlenteich und wurde mit Erde aus Quellental zugeschüttet, wodurch dort ein See mit Ausflugslokalen und Bademöglichkeit entstand. Auch die sonstigen „Lustbarkeiten“ im alten Pinneberg bis hin zu modernen Badeanstalt sind in der Ausstellung bedacht. Eine Vielzahl von Fotografien und Postkarten vermitteln einen guten Eindruck von dem Badevergnügen von anno dazumal.
            Die Idee für die Ausstellung, so Ina Duggen-Below, sei durch einen Vortrag des Heimatforschers Klaus May entstanden, den dieser kurz vor seinem Tod verfasst habe. Gehalten wurde er nach Mays Tod von Dieter Beig, der zur Eröffnung der Schau „Badespaß und Sommerfreuden“ auch in die Ausstellung im Stadtmuseum einführen wird.

BROSCHÜRE IST ZWEISPRACHIG
Zur Ausstellung wurde, unterstützt durch den Förderverein des Stadtmuseums Pinneberg, eine Broschüre mit den Ausstellungstexten und -fotos herausgegeben. Die Besonderheit: Sie ist zweisprachig. Die Texte sind in Hoch- und Plattdeutsch abgedruckt. Die Schau kann bis zum 17. Oktober dienstags, mittwochs und freitags von 17 bis 19 Uhr, donnerstags von 10 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 13 Uhr besichtigt werden. Außerdem bietet das Stadtmuseum während der Ausstellung jeden Sonnabend von 11 Uhr an Führungen an. Anna Selent wird immer dann Interessantes zu den zahlreichen Exponaten erzählen. Die Führungen kosten die Besucher nichts. Es wird allerdings um eine Spende für den Förderverein des Stadtmuseums gebeten. (kuk)

Pinneberger Zeitung, 20.8.2009