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Alte
Pinneberger Betriebe
Pinnebergs
Wirtschaft vor der Industrialisierung
Von Dieter Beig und Wolfgang J. Domeyer

Zu
den Aufgaben des 1735 gegründeten General-Landesökonomie
und -Kommerzkollegiums in Kopenhagen gehörte auch das Sammeln
und Auswerten von Informationen über die wirtschaftlichen Verhältnisse
in den einzelnen Regionen des Gesamtstaates. Diesem Kollegium verdanken
wir vermutlich den ersten umfassenden „Wirtschaftsbericht“
über die Herrschaft Pinneberg.
In einer Abhandlung für das Kollegium geben 1735 der Kanzleirat
und Amtsverwalter J.W. Graba und der Kirchspielvogt Michael Lüttjohann
einen Einblick in die einzelnen Vogteien, „in welchem Zustande
sich selbige befinden, von welcher Beschaffenheit sie sind und welche
Produkte darin vorhanden sind.“ Danach bildet die Landwirtschaft
den Haupterwerb der Herrschaft Pinneberg. Von einer nennenswerten
Kornausfuhr wird jedoch nicht berichtet, da der Boden nur sehr geringe
Erträge lieferte.
Als einziges „Produkt“, das ausgeführt wird, nennt
der Bericht Torf, wobei befürchtet wird, dass durch das übermäßige
Graben und Ausfahren schon in den nächsten Jahrzehnten ein
fühlbarer Mangel eintreten werde. Besonders die Bier-, Essig-
und Branntweinbrenner benötigten große Mengen davon.
Die Hauptabnehmer waren Altonaer und Hamburger Betriebe.
Seinen Niederschlag findet auch das gewerbliche Leben Pinnebergs:
„Die Pinneberger Dingstätte besteht nur aus 30 Häusern.
Es wohnen daselbst 14 Handwerker, Professionisten und Nahrungtreibende,
nämlich zwei Schmiede, zwei Bäcker, ein Grützmacher,
zwei Schlachter, drei Schneider, zwei Schäfter (vermutlich
Stiefelmacher), zwei Barbierer. Es ist daselbst eine Wassermühle
... Die übrigen Häuser sind von königlichen Beamten,
ein paar Krugwirtschafttreibenden und ein paar Krämer bewohnt...
Die Eigentümer auf der Dingstätte, die keinen Fußbreit
gemeine Weide und etliche nur etwas Land haben, haben ihre Nahrung
in Handwerk und Krügerei, großer Handel wird nicht getrieben.
Die vor etlichen Jahren angelegte Apotheke ist in schlechtem Stande
und sind schon drei Apotheker nacheinander darauf verdorben. Die
Handwerker sind in fremde Gilden und Zünfte (zumeist in Altona)
eingeschrieben.“ Für das benachbarte Pinnebergerdorf
wird eine Holzsägerei aufgeführt.
Wenige Jahre später um 1750 wird ein Aufblühen des Ortes
festgestellt, da nun drei Brauereien im Orte ihren Betrieb aufgenommen
haben; am Ende des 18. Jahrhunderts ist dann von vier Bierbrauereien,
von denen zwei auch Essig herstellten, und acht Branntweinbrennereien
die Rede. Verbunden mit dem Aufblühen ist der Ausbau des Ortes.
Der Fahltskamp wird angelegt an dessen Ende wahrscheinlich in dieser
Zeit das Gasthaus „Stadt Hamburg“ entstand. Dies weist
auf den sich entwickelnden Fremdenverkehr hin, über den es
1762 heißt: „Es besteht die Nahrung von Pinnebergs Einwohnern
wohl mehrenteils im Sommer in dem Vergnügen der Hamburger,
denn am Sonntag und Montag gehen diese wie Bienenschwärme nach
Pinneberg und Rellingen.“
Gehemmt wurde die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes durch die
Unschiffbarkeit der Pinnau und die damaligen Besitzverhältnisse.
Alles Land gehörte zum Schlosse, also dem Landesherrn. Die
„Dingstedter“ hatten die Schlossländereien nur
gepachtet. Erst ab 1788 wurden diese zum Kauf angeboten und bis
1792 waren die ehemaligen Schlossländereien an insgesamt 77
Einheimische und Auswärtige verkauft.
Erstmalig wird 1774 über den Versuch berichtet, auf der Dingstätte
eine Fabrik zu errichten. Da Samuel Jacob Hanau aus Holland als
Jude jedoch seinen Wohnsitz in Altona nehmen sollte, unterblieb
die Gründung einer Fayencefabrik. 1797 erwarb der Altonaer
Kaufmann Moritz Aufm Ohrt die erste Parzelle des Diekackers (Acker
am Mühlenteich), warf die hier befindlichen Schlossfischteiche
zu und errichtete eine Kattundruckerei: fünf Gebäude mit
Bleiche, 40 bis 50 Drucker. Hohe Zölle und Transportkosten
aufgrund der Unschiffbarkeit der Pinnau führten zur Schließung.
Der neue Erwerber Hermann Nicolaus Gätjens brach alle Gebäude
bis auf das dreistöckige Druckerhaus ab. Hierin gründeten
er (seit 1807 Dingvogt), der Kirchspielvogt Johann Nicolaus Jensen
sowie die Hamburger Kaufleute A. Knuffel und Zuckerbäcker H.
Meyer 1809 eine Zuckersiederei. Die Mahnung des Landdrosten, dass
keine Gewerbegenehmigung vorliege, veranlasste die Unter-nehmer
zur Verlegung nach Altona.
Da die früheren Privilegien der Dingstedter - etwa das Recht,
„bürgerliche Nahrung zu treiben“, dazu Freiheit
von Einquartierungslasten - in Vergessenheit geraten waren, ersuchten
sie 1801 um Erhalt ihrer alten Freiheiten. Als Flecken wurde Pinneberg
1811 offiziell wieder bezeichnet, aber erst 1826 erteilte der dänische
König auf Antrag das Fleckenprivileg.
Um 1824 - die Schrecken der Napoleonischen Kriege waren überwunden,
lebten 900 Einwohner im Orte. Man zählte fünf Brauer,
zwölf Brenner, dazu drei Grobschmiede, einen Kleinschmied (Schlosser),
vier Schlachter, drei Bäcker, drei Grützmacher, sechs
Schneider, sieben Schuster, zwei Barbiere, drei Zimmermeister, drei
Tischler, drei Sattler, drei Kunstdrechsler, zwei Maler, einen Goldschmied,
zwei Klempner, einen Uhrmacher, einen Maurer, vier Musikanten, einen
Leinweber, einen Handelsgärtner, einen Färber, zwei Rademacher,
zwei Böttcher und zwei Glaser, ferner sechs Gewürz- und
Eisenwarenhandlungen, drei Gasthöfe, eine Wassermühle,
eine Apotheke. Kurz danach wurde 1828 durch ein privates Kuratorium
die „Spar- und Leihcasse der Herrschaft Pinneberg“ gegründet
und durch Landdrost Ernst August v. Döring genehmigt. Trotzdem
wird 1841 festgestellt: „Außer Brennereien ist in Pinneberg
kein Gewerbebetrieb von Bedeutung.“
Pinneberg drohte durch den Bau der Chaussee Altona-Kiel 1832 sogar
ins wirtschaftliche Abseits zu geraten. Bis dahin verlief die Postroute
Hamburg - Kopenhagen durch Pinneberg. Nun führte die wirtschaftliche
Hauptroute der Herzogtümer weit an Pinneberg vorbei. Dies änderte
sich erst mit dem Bau der Eisenbahn 1844.
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Eisenbahn
als Schrittmacher der Industrialisierung in Pinneberg
Von Reinhard Schlifke

Pinneberger Bahnhof um 1890, Foto Theodor Schlüter
Die
Eisenbahn war wie überall in Europa auch in Schleswig-Holstein
das eigentliche Symbol für die Modernisierung im 19. Jahrhundert.
Mit ihrer Möglichkeit, große Gütermengen preisgünstig
in kurzer Zeit über weite Strecken transportieren zu können,
wurde sie zum Schrittmacher der Industrialisierung. In der wirtschaftlichen
Aufschwungsphase nach den napoleonischen Kriegen gründeten
sich Ende der 1820er Jahre die ersten Industriebetriebe in Schleswig-Holstein.
Bei der Standortwahl war eine gute Verkehrsanbindung besonders wichtig.
Wie aber sah der Straßenverkehr um 1830 aus? Einem traditionell
gut ausgebauten Wasserstraßennetz standen hoffnungslos unterentwickelte
Landverkehrswege gegenüber. In Schleswig-Holstein waren meist
nur einfache Sandwege vorhanden, die teilweise jahrhundertealte
Tradition hatten. Es handelte sich um die so genannten Ochsen- und
Heerwege, auf denen seit dem ausgehenden Mittelalter das Vieh zu
den Markten in der Unterelberegion getrieben wurde. Viele Land-straßen
waren lediglich mehr oder weniger ausgefahrene Wagenspuren. Der
allgemein katastrophale Zustand ließ eine Nutzung meist nur
während der Frostperiode und im Sommer bei entsprechender Trockenheit
zu. Auf diesen Wegen war keine große Geschwindigkeit zu erreichen.
Die holsteinische Extrapost soll nicht schneller als 5,6 Kilometer
pro Stunde gefahren sein. Im Frachtverkehr war die Beladung eines
Fuhrwerks mit höchstens 0,75 bis 1 Tonne möglich.
Eine erste Verbesserung im Landverkehr brachte die Chaussee von
Altona nach Kiel, die 1832 eingeweiht wurde. Die Anlage dieser Chaussee
hatte aber für Pinneberg fatale Folgen. Die hiesigen Gastwirtschaffen,
Herbergen und Handwerker, denen der Durchgangsverkehr auf der durch
den Ort führenden alten Kopenhagener Landstraße ein ausreichendes
Einkommen gesichert hatte, bekamen die Verlagerung des Verkehrs
auf die neue Chaussee besonders stark zu spüren. Die wirtschaftliche
Entwicklung Pinnebergs kam für etliche Jahre fast zum Stillstand.
Erst durch den Eisenbahnbau ein Jahrzehnt später sollte der
Ort ein erneutes Aufblühen erleben.
Die erste Nutzung der Dampfmaschine zum Antrieb eines schienengebundenen
Verkehrsmittels erfolgte 1830 in England. Kaum hatte dort die erste
Eisenbahn zwischen Liverpool und Manchester ihre Feuerprobe bestanden,
wurden bereits Pläne über den Bau von Eisenbahnen in Holstein
bekannt. Das erste Projekt 1831, eine Verbindung von Hamburg und
Lübeck, wurde aus wirtschaftlichen Gründen von der Regierung
in Kopenhagen abgelehnt. Der Nord-Ostsee Transitverkehr sollte von
den Hansestädten fern gehalten werden. 1835 gründete man
eine Eisenbahnkommission. Zur Diskussion standen mehrere Routen.
Die Linie Altona-Kiel erhielt schließlich den Vorzug, weil
sie die günstigste hinsichtlich Verkehrsaufkommen und Rentabilität
zu sein schien. Nach vielem Hin und Her kam die Finanzierung 1842
zustande. Die Ausgabe der Aktien konnte beginnen. Pinneberg zeichnete
50 Aktien und erhielt den ersten Bahnhof an der Strecke nach Kiel.
Als sichergestellt war, dass die Eisenbahnlinie gebaut werden würde,
begannen sich wie in anderen Orten auch in Pinneberg neue Gewerbebetriebe
wie die Posamentierwarenfabriken Dibbern und Mahr, die Sägemühle
v. Pein, die Stoutsfabrik Carstens & Koch sowie die Zigarrenfabrik
Heydorn anzusiedeln.
Auch der Eisenbahnbau selbst brachte einen Innovationsschub für
die junge Industrie. So konnten Unternehmen aus Holstein bereits
Reise- und Güterwagen sowie Tender und Weichen liefern. Lokomotiven
und Schienen mussten allerdings noch aus England bezogen werden.
Am 18. September 1844 konnte die „König Christian VIII
Ostseebahn“ feierlich eröffnet und in Betrieb genommen
werden. Der Verkehr entwickelte sich günstiger als erwartet.
Im ersten Betriebsjahr wurden 372182 Personen und 1219980 Zentner
Güter befördert, im zweiten Jahr hatten sich diese Zahlen
schon verdoppelt.
Die Reisezeit betrug gegenüber der Chaussee nur noch ein Drittel,
die Frachtkosten verringerten sich auf ein Zehntel. Eine Fahrkarte
dritter Klasse von Altona nach Pinneberg kostete 35 Pfennig. Die
Strecke war zunächst eingleisig und wurde im Bereich Pinneberg
erst 1863 zweigleisig ausgebaut.
Der Verlust der Zollprivilegien Altonas 1853 brachte Pinneberg einen
erneuten Industrialisierungsschub. Zahlreiche Altonaer Unternehmen
verlegten ihre Fabrikationsstätten nach Pinneberg, um sich
das dänische Absatzgebiet erhalten zu können. Weitere
Betriebe wurden neu in Pinneberg gegründet, wie die Maschinenfabrik
Scharffenberg, das Union Eisenwerk, die Ofenfabrik Pumplün
und die Eisengießerei Schneider.
Im Jahre 1866 erhielt das Eisenbahnnetz Schleswig-Holsteins durch
den Bau der Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn Anschluss an das deutsche
Eisenbahnnetz. Dies war eine wichtige Voraussetzung für die
Umorientierung der Wirtschaft der Herzogtümer auf den deutschen
Wirtschaftsraum nach der Loslösung von Dänemark 1864 und
der Eingliederung in Preußen 1867.
In Pinneberg war durch die Lage etlicher Industriebetriebe unmittelbar
an der Bahnstrecke die Anschlussmöglichkeit an das Schienennetz
in idealer Weise gegeben. So entstanden um 1880 die Werksgleise
von Warncke, dem Union-Eisenwerk sowie dem Holzlagerplatz Roeper.
Das 1899 neu erbaute Wupperman Werk II am Peiner Weg erhielt 1904
ebenfalls einen Gleisanschluss. Die übrigen Fabriken bedienten
sich der Güteranlagen am Bahnhof. Vor dem Güterschuppenanbau
am Bahnhof war ein Ladegleis verlegt. Daran schloss sich im Bereich
der heutigen S-Bahngleise ein Lagerplatz mit Freiladegleis und Viehrampe
an. 1899 erfolgte die Erweiterung des Anschlusses Wupperman mit
einem Freiladegleis und einer öffentlichen Ladestraße
bis zum Bahnübergang Rübekamp.
Bis zur Jahrhundertwende hatte sich der Güterverkehr erheblich
gesteigert. 1897 wurden fast 10000 Tonnen Kohle in Pinneberg angeliefert.
Der sonstige Güterumschlag, wie die Anlieferung von Rohstoffen
und der Versand von Erzeugnissen der Pinneberger Industriebetriebe,
hatte noch einmal den gleichen Umfang.
Damit war die Kapazität der wenigen Güteranlagen erschöpft.
Der Fahlt gegenüber dem Bahnhof wurde abgeholzt. Dort errichtete
man 1907 den neuen Güterbahnhof mit Güterschuppen, mehreren
Ladestraßen, einer Viehrampe und zwei Kopftampen. 1913 entstand
am Güterbahnhof die Norddeutsche Maschinenfabrik, die spätere
ILO.
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J.G.
Dibbern

Claus
Dibbern, geb. am 24. Dez. 1786, gründete 1815 ein Manufakturwarengeschäft
in Altona in der Reichenstraße. Johann Gottlieb Dibbern, geb.
am 15. Mai 1801, trat als späterer Namensgeber gleich nach
der Gründung in das Geschäft seines Onkels, Claus Dibbern,
ein.
Die
Firma erzeugte Kurz- und Textilwaren, welche in der Manufakturwarenbranche
als „holländische Ware“ bezeichnet wurden. Trotz
wirtschaftlich schweren Zeiten schaffte es der Firmengründer
nach 10 Jahren die Firma auf eine solide Basis zu stellen und zu
erweitern.
Als
Carl Dibbern 1827 verstarb, trat sein Neffe Johann Gottlieb Dibbern
an die Spitze des Geschäftes, auch unter seiner erfolgreichen
Führung wurde die Firma 1840 durch weitere Gebäude erweitert.
Die
Eröffnung der Eisenbahnlinie Altona-Kiel veranlasste J.G. Dibbern
1844 zur Errichtung einer Fabrik in Pinneberg am Damm 9-15, die
auch unter der Bezeichnung J.G. Dibbern firmierte. Dieser Fabrik
wurde auch eine eigene Färberei angegliedert. Sie unterhielt
rege Geschäftsverbindungen in die nordischen Länder. In
der dänischen Zeit brachte der Standort Pinnberg Vorteile,
da nun die Waren zollfrei nach Dänemark geliefert werden konnten,
während Altona außerhalb der dänischen Zolllinie
gestellt wurde.
1851
trat der Sohn, Gustav Dibbern, in die Firma ein und wurde später
Teilhaber, ebenso sein Schwager, Friedrich Björnsen.
Nach
1866, als Holstein dem preußischen Staat zugeordnet wurde,
änderten sich die Zollbestimmungen. Altona blieb Freihafen,
während der übrige Teil der Provinz in das Zollgebiet
des Norddeutschen Bundes einbezogen wurde. Für Dibbern ergab
sich hieraus die Notwendigkeit, eine Zollvereinslager durch eine
Zweitniederlassung in Ottensen , Bahrenfelder Str., einzurichten,
um von dort aus den Geschäftsverkehr mit dem Zollinland durchzuführen.
Die
Pinneberger Fabrik entwickelte sich erst erfolgreich, so wurden
ihre Erzeugnisse 1869 auf der internationalen Ausstellung in Hamburg
und vier Jahre später auf der Weltausstellung in Wien mit der
Goldmedaille ausgezeichnet.
1870/71 kam es dann nach den Deutsch-Französichen Krieg zu
wirtschaftlichen Einbrüchen, außerdem war eine wichtige
Grundlage, auf der die Pinneberger Fabrik seinerzeit gegründet
wurde, nämlich die besonderen Zollbestimmungen, nicht mehr
gegeben.
Nachdem die Produktion mit Rücksicht auf die Arbeiter noch
einige Zeit im eingeschränktem Umfang weitergeführt wurde,
schloss die Fabrik schließlich 1889 ihre Pforten.
Vor
der Schließung, trat der Sohn Albert Dibbern 1880 erst als
Mitarbeiter und später als Teilhaber in die Firma ein.
Die
Geschäfte der Niederlassung in Ottensen und später in
Hamburg wurden von Gustav Dibbern weitergeführt. Die Firma
wurde als Großhandel und Export in Textil-, Kurz- und Modewaren,
bis 1966 am Großen Burstah 50, danach am Kronsaalweg 70 unter
verschiedenen Geschäftsführungen weitergeführt. Der
Eintrag in das Handelsregister wurde von Amts wegen am 8.3.1972
gelöscht.
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Leppien
Gebr.

1850
entstand auf den Kohlputtwiesen am Damm die Stoutsfabrik von Koch
und Carstens, eine mechanische Weberei zur Herstellung von Stoffen.
1866
erwarben die Gebrüder H. Julius Leppien (Bremen) und Gottfried
Leppien (Lüneburg) diese Fabrik und bauten sie zu einer Rosshaarstoff-Weberei
aus. H. Julius Leppien siedelte nach Pinneberg über. Im Laufe
der Zeit wuchs die Zahl der Webstühle von 48 auf 150. Produziert
wurden Einlagestoffe für Herrenbekleidung, Damenröcke,
Crinolinstoffe und Tournuren. Später erweiterte sich die Angebotspalette
um Rosshaar-Möbelstoffe.
Belegschaft
Von 1876 bis 1909 war die Firma Leppien Gebrüder mit anfangs
etwa 30 und 1909 mit 50 Beschäftigten der drittgrößte
Pinneberger Industriebetrieb. 1925 belegte die Firma unter Andreas
Leppien mit 38 Beschäftigten den 9. Rang der Beschäftigtenstatistik.
1929
Im Gefolge der Weltwirtschaftskrise musste die Produktion eingestellt
werden.
1934
Julius Leppien eröffnete die Firma neu. Vor allem mit der Herstellung
und dem Vertrieb von Rosshaar-Möbelstoffen erlebte die Firma
einige Blütejahre. Anfang der 60er Jahre wurde sie aufgelöst.
Direkt
hinter der Fabrik floss bis zur Regulierung der 30er Jahre die Pinnau
an der der Leppiensche Park lag. Auf diesem Gelände entstand
1937 der Birkenhof. Damm 39 beherbergte damals die NSDAP-Ortsgruppenleitung,
nach dem 2. Weltkrieg das SPD-Kreisbüro. Das gesamte Gelände
wurde in den 60er Jahren neu bebaut, u. a. entstand hier der „Remter“.
H. Julius, Andreas und Julius Leppien engagierten sich in der Kommunalpolitik,
Tilly Leppien war von 1920 bis 1933 Vorsitzende des Vaterländischen
Frauenvereins vom Roten Kreuz.
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J.G.
Seifert Tischlerei, später Möbelfabrik

1847 Gründung der Tischlerei, 1856 an die Bahnhofstraße
1866
Nach der Schlacht von Königgrätz fällt auf Anstiften
des alten Tischlermeisters Seifert eine größere Anzahl
Pinne-berger Bürger nachts einige große Alleebäume
des Drosteiparks und schafft damit die Schneise für die lang
ersehnte Verbindungsstraße zur Schauenburger Straße.
1871
Mobilien-Lager Johann Gottlieb Seifert Ecke Bahnhof- und Lindenstraße
empfiehlt sich für die Anfertigung von Möbeln, Spiegel-
und Polsterarbeiten. Gleich nebenan, Bahnhofstraße 19, die
Möbelfabrik von Friedrich Gläßner (1856 -1880).
An der Dingstätte - in der Nähe des Gaswerkes - eine dritte
Möbelfabrik (Tischler Assoziation 1870 –1877).
1874
Durch Eintritt des portugiesischen Schwiegersohnes heißt die
Fabrik jetzt J. G. Seifert & Co, in Itzehoe und später
Blankenese entstehen Filialen.
1876
Am 12. Februar brennt das Möbelmagazin bis auf die Außenmauern
nieder. Die Hilflosigkeit der Feuerwehr bei diesem Brand ist Anlass
für die grundlegende Neuorganisation der Pinneberger Feuerwehr.
Das Gebäude wird nach dem Brand dreistöckig neu aufgebaut.
Beschäftigtenzahl
1875 bis 1880 um die 20, später weniger.
13.3.1878,
Pinneberger Wochenblatt: "Die Möbel-Industrie nimmt einen
für unsern Ort wirklich recht erfreulichen Aufschwung, der
von Jahr zu Jahr zunimmt... Wie dies z.B. in Pinneberg mit der Möbel-Industrie
der Fall, so ist der Nachbarort Halstenbeck in kurzer Zeit durch
seine Gärtnereien bekannt geworden, auf welchem Gebiete der
letztere sich bis nach Süddeutschland einen guten Ruf erworben
hat."
1883
Die Tischlerei nimmt eine der ersten Dampfmaschinen in Pinneberg
in Betrieb.
1885
Der Betrieb wird eingestellt. Später wohnt in dem Haus der
erste Pastor der luth. Kirchengemeinde Pinneberg und hält in
den Räumen des ehemaligen Möbellagers die Gottesdienste
ab, bis 1895 die Christuskirche fertig gestellt ist.
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Gasanstalt

Ende
1855 fanden sich acht unternehmungslustige Pinneberger zur Gründung
einer Gasanstalt zusammen, darunter die Fabrikanten v. Koch und
Löwenstein, die Brenner Bostelmann und Gätjens sowie der
Immobilienhändler Schmüser. Der Vorschlag zur Gründung
einer kommunalen Gasanstalt erzeugte jedoch einen wahren Proteststurm
der Einwohner, so dass man schnell die Gründung einer Aktiengesellschaft
ins Auge fasste. Die Statuten der Aktiengesellschaft wurden vom
königlichen Ministerium für die Herzogtümer Holstein
und Lauenburg am 1. September 1856 genehmigt und der Gesellschaft
auf 25 Jahre das landesherrliche Privileg „zur Bereitung von
Leuchtgas im Flecken Pinneberg“ gewährt. Die Gesellschaft
erwarb ein Grundstück etwa dort, wo heute der Verbindungsweg
von der Rathauspassage zur Dingstätte verläuft, ließ
von dem Elmshorner Architekten Mohr das Gebäude errichten und
importierte die technischen Einrichtungen aus England. Geleitet
wurde das Gaswerk durch ein siebenköpfiges Direktorium, dem
zunächst Bahnhofsvorsteher Maas und Schullehrer Clausen vorstanden.
Für die technische Produktion war ein Gasmeister verantwortlich.
Anfang Januar 1857 nahm die Gasanstalt den Betrieb auf. 1859 versorgte
sie 55 Straßen- und 1111 Privatflammen. 1868 waren es 63 Straßenflammen
mit „durchschnittliche 4 Stunden Brennzeit täglich, ausgenommen
7 Mondscheintage in jedem Monat und die Sommermonate Mai bis August,
wo gar keine Straßenbeleuchtung stattfindet.“ Bis 1895
hatte sich die Zahl der Straßenlaternen auf 101 erhöht.
Das Gas wurde nun nicht mehr nur für die Beleuchtung verwendet,
sondern allmählich auch zum Kochen und Heizen und für
den Antrieb gewerblicher Gasmotoren. Das 1882 modernisierte Gaswerk
versorgte mittlerweile die Union-Eisenwerke mit Gas zum Brennen
der Emaille und gewährte um 1888 der Firma Wupperman als Großabnehmer
einen ansehnlichen Rabatt. 1894 gründete Anton Binné
seine Dachpappenfabrik an der Mühlenstraße, die den als
Abfallprodukt bei der Gaserzeugung anfallenden Teer weiter verarbeitete.
1903 nahm die Stadt die Anfang der 80er Jahre ergebnislos abgebrochenen
Verhandlungen zur Übernahme der Anstalt wieder auf, da man
in städtischen Gaswerken eine Garantie für das weitere
wirtschaftliche Aufblühen des Ortes sah. Die Verhandlungen
endeten mit dem Übergang des Gaswerkes in städtischen
Besitz am 1. Mai 1904. Der Gasverbrauch stieg nun derart an, dass
Anfang 1907 neue Öfen und ein neuer Gasbehälter und 1912
ein Erweiterungsbau in Betrieb genommen wurden.
Aber schon kündigten sich neue Entwicklungen an. 1888/89 war
der Gasverbrauch um 12% zurückgegangen, weil die Union-Eisenwerke
eine elektrische Beleuchtungsanlage in Betrieb genommen hatten.
Bald erprobten auch andere Fabriken elektrische Generatoren und
1907 nahm das Rellinger Elektrizitätswerk seinen Betrieb auf.
Trotz ihres blühenden Gaswerkes beschäftigten sich jetzt
die Pinneberger Stadtverordneten mit der Frage, ob sie ein eigenes
Elektrizitätswerk errichten oder sich einer Überlandzentrale
anschließen sollten. 1912 schloss die Stadt einen Stromlieferungsvertrag
mit Johann Metzger, dem Besitzer der Lederfabrik an der Koppelstraße.
Ähnlich pragmatisch vereinbarte man 1913 mit den Union-Eisenwerken
die Lieferung von Wasser: Wupperman baute das Wasserwerk Peiner
Weg mit Wasserturm. Die Gasanstalt, seit 1904 geleitet von der städtischen
Gaskommission, erhielt mit der Verteilung von Wasser und Elektrizität
neue Aufgaben.
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Binné
& Sohn: Eine Firma und drei „Geburtstage“
Pinneberger Unternehmen noch heute in Erfolgsspur
Von
Janine Dressler

Betrachtet
man die Geschichte der Firma Binné & Sohn, gibt es genau
genommen drei „Geburtstage“ zu feiern: Die Jahre 1853,
1879 und 1894. Bereits 1853 gründete Ernst-Ludwig Binné
an der Koppelstraße ein Handelsgeschäft für Drogerie-
und Kolonialwaren. Heilkräuter, Tees, arabischer Gummi, Farben
und Talglichter waren hier genauso erhältlich wie Tabak, Pfeifen
und selbst hergestellte Zigarren.
1879 nahm Ernst-Ludwig Binné seinen Sohn Anton in sein Geschäft
auf, nachdem dieser eine Ausbildung bei einem Hamburger Apotheker
gemacht hatte. Gemeinsam gründeten sie Binné & Sohn,
so war dieses Jahr das eigentliche Gründungsjahr der Firma.
Binné & Sohn war eine Drogen- und Kolonialwarenhandlung.
1885 zog Anton Binné mit dem Geschäft in die Dingstätte.
Durch seine Kontakte zu Hamburger Apotheken gelang es ihm, eine
30 Jahre alte Apothekeneinrichtung für das Geschäft zu
erwerben, die heute noch in der Parfümerie Bödecker zu
sehen ist. Die Firma entwickelte sich stetig weiter. 1892 baute
Anton Binné einen Speicher an das Geschäftshaus an.
Das Geschäft entwickelte sich zu einer Großhandelsfirma,
die die kleinen umliegenden Geschäfte belieferte, aber auch
weiterhin im Einzelhandel tätig war.
1894 gründete Anton Binné die eigentliche Dachpappenfabrik
und legte damit den Grundstock für das heutige Unternehmen.
Später fand eine Trennung zwischen dem Handelsgeschäft
und der Dachpappenfabrik statt. Mit seinem Sohn Hugo führte
Anton Binné die Dachpappenfabrik, und sein Sohn Ernst übernahm
das Handelsgeschäft.
Dachpappe wurde damals hergestellt aus Rohfilzpappe und Gasanstaltsteer,
einem Abfallprodukt der Gasanstalten. Binné & Sohn bezog
den Teer unter anderem von der Pinneberger Gasanstalt.
Um 1910 wurden zunehmend Bitumendachpappen vertrieben, auch Anton
und Hugo Binné erweiterten ihr Sortiment dahingehend. Hugo
Binné hatte ein sehr gutes technisches Verständnis,
was für den Betrieb von großem Nutzen war. So entwickelte
er eine Dampf-Vakuum-Teerdestillation, durch die eine bessere Imprägnierungsmasse
und Qualität der Dachpappen erzeugt werden konnte.
1913/14 wurde eine neue und moderne Maschinenanlage für Bitumendachpappen
errichtet. Doch der Erste Weltkriegbrach aus, und die Anlage konnte
nicht mehr in Betrieb genommen werden - Bitumen stand während
der Kriegsjahre nicht zur Verfügung.
Alle noch vorhandenen Rohstoffe wurden verarbeitet, die bereits
produzierten Waren verkauft; dann wurde die Produktion der Bitumendachpappen
eingestellt. Die Teerpappenproduktion lief während der Kriegsjahre
weiter. Die neue Anlage konnte erst 1924 in Betrieb genommen werden.
Mit einigen Problemen: Die Maschinen liefen nicht wie geplant und
die Herstellungstechnik war bereits veraltet. Erhebliche Umbauten
waren notwendig. Ein weiterer Schicksalsschlag folgte 1927, als
ein Großfeuer die Teerpappenfabrik völlig zerstörte
und die Teerdestillation schwer beschädigte. Das Großfeuer
und die Weltwirtschaftskrise brachten den Betrieb beinahe zum Erliegen.
1932/33 übernahmen die beiden Söhne von Hugo Binné
den Betrieb: Werner und Dr. Hugo Binné. Werner hatte eine
kaufmännische Ausbildung und Hugo ein abgeschlossenes Chemiestudium.
Durch die unterschiedliche Ausbildung ergänzten sich die beiden
Brüder sehr gut in der Geschäftsführung. Ab 1933
ging es mit der Wirtschaft bergauf und die Brüder konnten ihre
Position auf dem Markt stärken - nicht zuletzt auch durch die
vielen Wehrmachtsbauten, die zu diesem Zeitpunkt errichtet wurden.
Doch die Entwicklung wurde durch ein zweites Großfeuer gebremst,
das 1936 die Bitumenpappenfabrik vollständig vernichtete. Bereits
1937 stand aber wieder eine neue Produktionsanlage. Während
des Zweiten Weltkrieges musste die Bitumenpappenfabrik wie bereits
im Ersten Weltkrieg stillgelegt werden. Die Teerpappenfabrik und
die Teerpappendestillation arbeiteten während der Kriegsjahre
weiter.
Nach Kriegsende herrschte ein großer Bedarf an Dachpappen,
zum Beispiel für Notunterkünfte, Reparaturen an bombengeschädigten
Häusern und für Neubauten. 1945 zerstörte erneut
ein Großfeuer große Teile des Betriebs: Lagergebäude
und die Teerpappenfabrik wurden völlig zerstört. Die während
des Zweiten Weltkrieges stillgelegte Bitumendachpappenanlage wurde
auf Teerdachpappen umgestellt und wieder in Betrieb genommen. Erst
ab 1947 war Binné & Sohn in der Lage, sowohl Teer- als
auch Bitumenpappen herzustellen.
In den 1950er Jahren wurde die Pappe durch einen neuen Trägerstoff
verdrängt: das Glasvlies. Binné & Sohn erkannte
rechtzeitig diese Wendung und stellte die Produktion auf Glasvliesbahnen
um.
In den 1950er Jahren waren Eisenbahnwaggons nicht nur auf den Gleisen
sondern auch auf den Straßen in Pinneberg zu sehen auf Schwergüter-Spezialfahrzeugen
für den Straßentransport. Binné & Sohn nutzte
ab 1955 als erster Betrieb in Pinneberg diesen so genannten „Culemeyer“
zum Transport ihrer mit Bitumen gefüllten Kesselwagen. In den
Jahren zuvor hatte das heiße Bitumen aus den Kesselwagen mühsam
in Fässer gefüllt werden müssen, damit man es zum
Betriebsgelände transportieren konnte.
Immer mehr verdrängten Bitumendachpappen die Teerdachpappen.
1968 wurde die Teerdestillation stillgelegt und die Herstellung
von Teerdachpappen eingestellt. Während früher zur Wärmedämmung
des Dachs Korkplatten verwendet wurden, die Binné & Sohn
unter anderem aus Spanien importierte, kam in den 1960er Jahren
eine neue Entwicklung auf den Markt: ein Kunststoffschaum aus Polystyrol.
Dr. Hugo und Werner Binné erkannten diesen Trend und entschlossen
sich zum Bau einer Maschinenanlage, um Polystyrol-Hartschaum herzustellen.
Diese wurde 1971 in Betrieb genommen. In den darauf folgenden Jahren
wurden die Anlagen zur Dachbahnenherstellung erheblich erweitert.
Noch heute prägen große Silo- und Tankanlagen mit den
dazugehörigen vollautomatischen Transportbändern und Rohrleitungen
das Bild des Betriebs.
Zwischen 1958 und 1968 tritt die fünfte Generation der Familie
in das Unternehmen ein mit Horst, Klaus und Bernd Binné,
den Söhnen von Dr. Hugo und Werner Binné.
Technische Innovationen sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
sind auch heute noch ein wichtiger Faktor für die Qualität
bei Binné & Sohn. So produziert das Unternehmen heute
zum Beispiel Polymer Spezial Dachbahnen, die selbstklebend sind
und nicht mehr auf dem Dach geschweißt werden müssen.
Zur Produktpalette gehören außerdem Wurzelschutzbahnen,
Dachbegrünungssysteme und Dachdämmstoffe oder Zusatzprodukte
wie Klebemassen. So wurden zum Beispiel beim Bau der vierten Elbtunnelröhre
Wurzelschutzbahnen von Binné & Sohn verwendet, und auf
dem Dach der neuen Rathauspassage liegen Dachbahnen von Binné
& Sohn.
Der Betrieb gehört heute zu den führenden Anbietern der
Branche und produziert mit seinen 140 Mitarbeitern bis zu 13 Millionen
Quadratmeter Dach- und Dichtungsbahnen pro Jahr. Verkauft werden
die Produkte an Großhandelsfirmen, den Fachhandel sowie die
Dachdecker-Einkaufsgenossenschaften. Seit 1993 und 2000 ist durch
Michael und Thilo Binné die sechste Generation der Familie
Binné im Betrieb vertreten.
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J.
Warncke

Neubau
der Holzlagerhalle am Rübekamp 1928
1835
gründete Franz Nicolaus Warncke einen Zimmereibetrieb an der
Koppelstraße gegenüber dem damaligen Gefängnis,
heute AWO-Grundstück. Bereits 7 Jahre später musste er
den Betrieb an den Rübekamp beim ehemaligen Bahnübergang
wegen des Baues der Eisenbahnstrecke Altona – Kiel verlegen.
Die Firma entwickelte sich so gut, dass ihr die Errichtung der Bahnhofsgebäude
in Pinneberg und Tornesch übertragen wurde, ebenso des alten
Krankenhauses an der Moltkestraße (später zum Landratsamt
umgebaut und erweitert).
1869
gründete der Sohn Jürgen Hinrich Warncke ein eigenes Baugeschäft
auf dem jetzigen Grundstück Schauenburgerstraße 11/13,
das einen schnellen Aufschwung nahm. Einige Beispiele der vielen
von ihm errichteten Bauten zeigen, welche bedeutende Rolle die Firma
in Pinneberg und Umgebung gespielt hat: Betriebsgebäude und
Wohnhaus der Maginschen Fabrik am Damm, die Rektorschule an der
Bahnhofstraße, die großen Wuppermanschen Fabrikgebäude
an der Schauenburger Straße, Herrenhaus und Viehscheune auf
dem Schäferhof, die Haselauer Kirche, den Kaltenkirchener Bahnhof
in Eidelstedt. Außerdem betrieb er einen regen Grundstücks-
und Holzhandel.
Ab
1891 ging die Firma auf den Sohn Johann Heinrich Warncke über.
In den ersten zehn Jahren führte er noch mehrere größere
Bauten aus, wie die Metzgerschen Lederfabriken in Elmshorn und in
Pinneberg an der Koppelstraße, die ersten Fabrikgebäude
der Firma Wille und das Pastorat in der Bahnhofstraße.
Dann gab J.H.Warncke das Zimmerei- und Baugeschäft auf und
betrieb nur noch den Holzhandel. Nach und nach erweiterte die Firma
ihr Betriebsgelände von der Moltkestraße an der Bahn
entlang bis zum Rübekamp. Es entstanden 7 neue Schuppen, die
alle mit einem dreigleisigen Bahnanschluss zu erreichen waren. 1922
wurde eine Dampfsägerei mit Hobelwerk eröffnet. In den
30er Jahren beschäftigte der Betrieb 60 Angestellte und Arbeiter.
1937
ging die Firma, die sich zu einem der bedeutendsten Unternehmen
seiner Branche in Norddeutschland entwickelt hatte, an den Neffen
Hinrich Paulsen über. Mit Ausnahme von Australien wurden Hölzer
aus allen Kontinenten der Erde direkt nach Pinneberg importiert.
Seit
1972 ist der Sohn Harald Paulsen Geschäftsführer und leitet
noch heute mit seinen beiden Söhnen Holger und Peter den Betrieb.
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Hafen
kurbelt Wirtschaft an und rettet Ernte der Bauern
Warenumschlag erreicht mit 350 Schiffen Spitzenwert
Von
Reinhard Schlifke

In
der so genannten Voreisenbahnzeit, die in Schleswig-Holstein bis
um die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte, war der Gütertransport
auf Flüssen, Kanälen sowie entlang der Küsten für
den Binnenhandel unverzichtbar.
Die Pinnau zwischen Uetersen und der Mündung war seit jeher
schiffbar. Nicht so das Flussstück bis Pinneberg, welches sich
mit zahlreichen Windungen durch die Landschaft zog. Versandung und
Verkrautung erschwerten das Befahren erheblich. Zwar wurde 1774
die Pinnau noch bis Pinneberg als schiffbar angegeben. Aber rund
20 Jahre später soll der Fluss schon so verschlammt gewesen
sein, dass größeren Schiffen das Anlaufen des Orts unmöglich
wurde.
1798 errichtete der Hamburger Kaufmann Moritz Aufm Ohrt in Pinneberg
eine Kattundruckerei. Den Stoff wollte er auf dem Wasserweg hierher
schaffen und nach dem Druck auf die gleiche Weise wieder in die
Hansestadt zurückbringen lassen. Eine seit längerer Zeit
von der königlichen Regierung projektierte Schiffbarmachung
der Pinnau, auf die er bei Fabrikgründung gehofft hatte, kam
aber nicht zur Ausführung. So änderte sich am Zustand
des Flusses bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein kaum etwas.
Um 1880 kam es seit einer Reihe von Jahren immer häufiger zu
Überschwemmungen an der Pinnau. Die Bauern, deren Wiesen oberhalb
und unterhalb Pinnebergs am Fluss lagen, verloren jedes Mal durch
das Wasser ihre gesamte Heuernte. Sie führten darüber
Klage beim Wasserbauamt in Glückstadt. Ein umfangreiches Gutachten
über den Flusslauf der Pinnau wurde erstellt, und es wurden
Vorschläge für Regulierungsmaßnahmen unterbreitet.
Es gründete sich eine „Pinnau-Regulierungscommission“
(später in „Meliorations-Genossenschaft“ umbenannt),
die 1882 mit den Arbeiten begann.
Pinnau
wird vertieft und begradigt
Als
zusätzlichen Erfolg der baulichen Maßnahmen konnten durch
die Vertiefung und Begradigung des Flusses Schiffe bis 1,15 Meter
Tiefgang Pinneberg anlaufen. Das gab den Anlass, einen Lösch-
und Ladeplatz zu errichten. So erhielt Pinneberg 1888 seinen Hafen.
Der Warenumschlag nahm in den folgenden zwei Jahrzehnten immer mehr
zu und erreichte 1911 mit 350 Schiffen, die vom Hafenmeister, dem
Stadtoriginal, Nachtwächter Otto Klafak, registriert und ins
Rathaus gemeldet wurden, einen Spitzenwert. Das alte Hafenbuch gibt
uns über die Art der Güter Auskunft. Es handelte sich
größtenteils um Ziegelsteine, sowie um Dünger, Holz,
Obst und Getreide. Und wenn ein Ewer mit Stinten angelandet war,
hörte man den alten Ausrufer Röhl, der nach lautem Klingeln
rief: „In Pinnbarger Hoben liggt‘n Ewer mit lebennige
Stint, Pund fief Penn.“
Bald machte sich aber der Nachteil der doch recht geringen Schiffsladekapazität
auf der Pinnau immer mehr bemerkbar. Um bis nach Pinneberg zu gelangen,
musste das bei Flut auflaufende Wasser abgewartet werden. Bisweilen
blieb ein Schiff wegen eingetretener Ebbe wenige hundert Meter vom
Hafen entfernt liegen und musste sich bis zur nächsten Tide
gedulden. Das Verkehrsaufkommen wurde derart gering (1918 verzeichnete
man lediglich 13 Schiffe), dass für den Hafen der Abstieg in
die Bedeutungslosigkeit bereits vorgezeichnet schien.
1924 unternahmen die Stadtväter einen Versuch, diesen Zustand
zu verändern. Es entstand das Projekt einer Hafen- und Industriebahn
für Pinneberg. Die Idee war, die Transportwege Wasser und Schiene
miteinander zu verknüpfen. Um auch größeren Schiffen
das Anlaufen des Hafens zu ermöglichen, hätten Begradigungs-
und Flussvertiefungsmaßnahmen vorgenommen werden müssen.
Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten des Wasserbauamts
in Glückstadt brachte allerdings ein ernüchterndes Ergebnis.
Danach würden die Kosten der nötigen Wasserbaumaßnahmen
in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden wirtschaftlichen
Nutzen stehen.
Die Gleisanlagen am Hafen sollten unter finanzieller Beteiligung
von Pinneberger Unternehmen verlegt werden. Diese standen dem Hafenbahnprojekt
zwar positiv gegenüber, sahen sich aber wegen der allgemein
schlechten Wirtschaftslage außerstande, die benötigten
Mittel aufzubringen. Lediglich für die am Hafen gelegene Firma
Nebenzahl wurde 1926 ein Gleisanschluss angelegt. Die Puffreisfabrik
Vitakost erhielt 1930 ein Mitbenutzungsrecht dieser Gleisanlage.
Weltwirtschaftskrise
verhindert Projekterfolg
Das
Hafenbahnprojekt blieb auf Grund der Weltwirtschaftskrise in den
Anfängen stecken. Auch die Umschlagsleistung des Hafens entsprach
bei weitem nicht den Erwartungen. Die Intensivierung des Getreideumschlags
der Bauernmühle dauerte nur wenige Jahre an. Gelegentlich erhielt
die Firma Binne & Sohn einige Schuten mit feinem Kies zum Besanden
ihrer Dachpappe. Für Wupperman wurde Ton für die Emailleherstellung
geliefert. Auch das aus dem abgewrackten Passagierdampfer „Cap
Polonio“ ausgebaute Mobiliar zur Einrichtung des gleichnamigen
Hotels kam 1935 mit dem Schiff in unsere Stadt. Nur wenige Jahre
später entfernte man das Anschlussgleis am Hafen wieder und
baute es bis hinter den Bahnübergang Rübekamp/Mühlenstraße
zurück. 1950 löschte zum letzten Mal ein Schiff seine
Ladung.
Schon lange Zeit, bevor es den Hafen gab, existierte eine Anlegestelle
am Nordufer der Pinnau hinter der Koppelstraße, in der Nähe
der Straßenbrücke. Über diesen so genannten Pinnebergerdorfer
Hafen ist nur wenig bekannt. Er diente wohl eher dem Regionalverkehr.
Ewer mit Fischen legten dort an, gelegentlich auch mal Schiffe mit
Torf, Ziegeln oder Holz. Im Herbst lag oft ein Apfelkahn an der
Brücke an der Elmshorner Straße.
Irgendwann nach dem Ersten Weltkrieg ist der kleine Hafen dann verschwunden.
Das letzte Zeugnis der Existenz einer Anlegestelle stammt aus dem
Jahr 1931. Als der Apfel-Ewer des Schiffers Albers aus Kollmar schon
längere Zeit hinter Essig-Pein an der Brücke Elmshorner
Straße gelegen hatte, den Wasserabfluss ständig behinderte
und sich viel Schlick ansammelte, las man im Sitzungsprotokoll der
Melioration-Genossenschaft: „ De Schipper Albers schall mit
sin Schipp von de Brügg verswinnen!“
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Als
die "Südwester" noch aus der Kreisstadt kamen
Gummi-Experten: Geschichte der Pinneberger Firma Wille
von Wolfgang Paulsen

Eröffnung des Gummierungswerkes 1926. Mitte: klein, mit hohem
Kragen Karl Hermann Franz Wille, rechts davon mit Schnurrbart Betriebsleiter
Beismann, links von Wille Reinhold Bohlken.
Ein
nicht mehr zur See fahrender Kapitän namens Frank gründete
das Unternehmen 1859 als “Pinneberger Regenrockfabrik“.
Die Werkstatträume lagen in einer Scheune auf dem heutigen
Koopmannschen Grundstück am Rübekamp, so der Heimatforscher
Hinrich Münster.
Das
Material für diese Regenröcke war ein verhältnismäßig
grobes Nesselgewebe, sogenannt “Stowts“, das mit meist
gelbem Leinöl getränkt und anschließend getrocknet
wurde. Dieser Vorgang musste allerdings mehrfach wiederholt werden,
um ein tatsächlich wasserdichtes Gewebe zu bekommen. Aus diesem
verhältnismäßig steifen und bockigen Material wurden
dann Jacken, Hosen und sogenannte “Südwester“ genäht.
Diese Art Bekleidung war aber wegen ihres verhältnismäßig
groben Zuschnittes, wegen des recht steifen Materials und auch wegen
der stets noch vorhandenen leichten Klebrigkeit nur als Arbeitsschutzbekleidung
für Seeleute, Fischer und Landwirte geeignet.
Die
Fertigungsräume am Rübekamp brannten 1880 ab; Frank konnte
den Betrieb nicht mehr halten. So kam er nach mehrfachem Wechsel
der Inhaber auf das Gelände Lindenstraße 24a und in den
Besitz von Karl Herrmann Franz Wille. Auch hier fertigte man zunächst
nur Ölzeug.
Nachdem
der Amerikaner Goodyear Mitte des 19. Jahrhunderts die Vulkanisation
entdeckt hatte, und dadurch die Kautschukprodukte alterungsfähig
gemacht werden konnten, hatte man in England in den Anfängen
der Kautschukindustrie begonnen, Gewebe zu gummieren, um aus diesen
dann Regenmäntel zu fertigen. Gegenüber dem sogenannten
Ölzeug boten die gummierten Regenmäntel gewaltige Vorteile.
Sie waren erheblich leichter, ließen sich auch besser verarbeiten.
Sie waren, je nach verwandtem Gewebe, auch nicht sofort als Regenmäntel
zu erkennen. Daneben konnte man beim Zuschnitt die Einflüsse
der jeweiligen Moderichtung berücksichtigen und modische Applikationen
anbringen. Trotzdem waren die Damen- und Herrenmäntel wasserdicht,
weil die Nähte genäht und zusätzlich geklebt wurden.
Darüber hinaus wurde diese Naht dann noch mit einem sogen.
Tapestreifen überklebt.
Deutsche
Regenmäntelhersteller kauften zunächst die für ihre
Fabrikationen erforderlichen gummierten Gewebe aus England; späterhin
übernahmen auch deutsche Firmen, so die Vorgänger der
Phoenix AG und Continental AG, nach und nach die Produktion gummierter
Stoffe. Um diese Gummimäntel auch in Pinneberg zu fertigen,
brauchte man neue Fabrikationsräume, und so erwarb mein Großvater
1898 das Gelände an der Bahnhofstraße 10 mit großen
Teilen des Hinterlandes. Hier wurden ab 1899 neue Gebäude errichtet
mit einem Kesselhaus, um zunächst die Fertigung des Ölzeuges
auf industrieller Basis zu ermöglichen; zum weiteren wurden
für die Herstellung der Gummimäntel Räume geschaffen.
So kamen dann zu der Anfertigung von Ölzeug jetzt Mäntel
aus gummierten Stoffen, späterhin auch Lodenmäntel und
Lederbekleidung in das Fertigungsprogramm, das in dieser Form bei
ständiger Ausdehnung wohl bis zum 1. Weltkrieg durchgehalten
wurde. Der Krieg und die Inflationszeit danach brachten naturgemäß
durch Rohstoffmangel und finanzielle Schwierigkeiten erhebliche
Einbußen; trotzdem konnte der Betrieb gehalten werden. Ein
Großfeuer zerstörte 1918 eines der Fertigungsgebäude.
Der Wiederaufbau gelang trotz aller Schwierigkeiten in den Jahren
1920 und 1921.
1924
wurde eine eigene Gummierungsanstalt eingeweiht. Nun war man von
Vorlieferanten beim Bezug der gummierten Stoffe unabhängig;
im Gegenteil, man konnte für andere Regenmantelfabriken deren
Stoffe in Lohnarbeit gummieren. So hatte sich mein Großvater
einen weiteren Fertigungszweig geschaffen. Dieser Fertigungsrahmen
der Firma blieb weitgehend bis zum 2. Weltkrieg erhalten. Zu dieser
Zeit gab es in Deutschland über 20 größere Regenmäntelfabriken,
die auch einen nennenswerten Export vorwiegend nach Südosteuropa
abwickelten.
Ohne
Kriegsschäden, aber mit erheblichen Einschränkungen und
Einbußen in Folge von Rohstoffmangel, wurde auch diese Zeit
überstanden, teils durch Lohnarbeit, teils durch Arbeit für
die Besatzungsmächte oder durch völlig betriebsfremde
Arbeiten. Der Gummierungsbetrieb musste seit 1944 aus Mangel an
Heizmaterial völlig stillgelegt werden.
Die
Währungsreform 1948 brachte den wirtschaftlichen Aufschwung.
Allerdings war für das Ölzeug der Markt inzwischen verschwunden.
Die Herstellung wurde nach dem Krieg nicht wieder aufgenommen, auch
die Lederbekleidung fiel aus dem Herstellungsprogramm. Neu hinzu
kam die Produktion von Motorradfahrerbekleidung aus Gummidoppelstoff.
Dieser Artikel brachte einen nennenswerten Teil des damaligen Umsatzes;
ebenso ab Mitte der 50er Jahre die Herstellung der Popelinemäntel.
Diese nur imprägnierten Regenmäntel verdrängten dann
im Laufe der Zeit zunehmend den gummierten Regenmantel. Einen wirklich
wasserdichten Mantel brauchte der Kunde in dieser Zeit der aufkommenden
Motorisierung und durch bessere Verbindungen im Nahverkehr nicht
mehr.
Um
die dadurch entstandenen Lücken in der Fertigung auszugleichen,
wurden etwa ab 1960 Sommer- und Wintermäntel für Damen
und Herren zusätzlich aufgenommen, zeitweise mit sehr gutem
Erfolg, so dass Zweitbetriebe in Dannenberg und Elmshorn gegründet
wurden.
Aber im Zuge der starken Aufwärtsentwicklung der Konjunktur
und des zunehmenden Mangels an Arbeitskräften, geriet die Textil-
und vor allem aber die Bekleidungsindustrie mehr und mehr ins Hintertreffen,
die dort beschäftigten Mitarbeiter fanden leicht bessere Verdienstmöglichkeiten
in anderen Branchen.
Billigere
Lohnanfertigungen aller Art von Bekleidung im Ausland (Polen, Jugoslawien,
Spanien, heute sogar in China und Korea) fingen damals an, den hiesigen
Herstellern Konkurrenz zu machen. Umweltauflagen brachten auch für
den Gummierungsbetrieb zusätzliche Kosten. Es zeichnete sich
ab, dass der Betrieb in der vorhandenen Struktur auf die Dauer nicht
zu erhalten war. Die Inhaber entschlossen sich daher, 1975 den Betrieb
aufzugeben und zu liquidieren. Das Gelände an der Bahnhofstraße
wurde dann an den Kreis Pinneberg verkauft und wird heute durch
die Berufsschule größtenteils genutzt.
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Wilhelm
Lüders
Holzhandlung,
Kisten- und Palettenfabrik

1871
eröffnete der junge Stellmachermeister Wilhelm Lüders
mit 150 Talern und einer geliehenen Hobelbank eine Stellmacherei
auf dem elterlichen Anwesen an der Koppelstraße in Pinneberg.
1913
Verlegung des Betriebes an die Elmshorner Straße. Verkauf
des Grundstücks Koppelstraße für 30.000 Mark an
die Lederfabrik Metzger.
1918
übernahm der Sohn Karl Lüders den väterlichen Betrieb.
Erweiterung von der Stellmacherei auf Holzbearbeitung und Holzhandel.
1933
Ein Feuer legte im Oktober das Werk weitgehend in Schutt und Asche.
Der Betrieb wurde wieder aufgebaut und erlebte in den 30er Jahren
eine Hochkonjunktur im Karosseriebau.
1939
Während des Zweiten Weltkrieges stellte die Firma als Rüstungsbetrieb
Munitionskisten und Karosserien für Wehrmachtsfahrzeuge her.
1942
Errichtung eines modernen Sägewerkes – 72 Beschäftigte.
1945
trat Wilhelm Lüders jun. in das Unternehmen ein der Paletten-
und Kistenproduktion. Neben Flaschenkästen, u.a. für die
Pinneberger Getränkefabrik Ernst Schmidt, wurden Kisten für
den Überseeversand des Wuppermanschen Emaillegeschirrs produziert.
1952
Verlegung des Hauptlagers der Firma sowie Teile der Produktion nach
Prisdorf. Ausschlaggebend war das Vorhandensein eines Gleisanschlusses.
Im gleichen Jahr brach ein Brand im Späneturm des Hauptwerkes
in Pinneberg aus. Die Feuerwehr konnte ein Ausbreiten des Brandes
noch rechtzeitig verhindern – 81 Beschäftigte.
1967
Der Bau der Hochbrücke und des Iduna-Zentrums bedingte die
komplette Umsiedlung des Betriebes nach Prisdorf.
1976
übernahm Lorenz Lüders in vierter Generation die Firmenleitung.
1979
Eröffnung eins Heimwerkermarktes mit Holzhandel.
2004
Errichtung eines Fachmarkt-Centers auf dem Firmengelände. Im
Holzbereich verlegte sich der Schwerpunkt auf Import, Handel und
Reparatur von Paletten. Heute beschäftigt der Betrieb zehn
Mitarbeiter.
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Metzger
& Sohn und C. Otto Gehrckens (COG)
Von
Janine Dressler M.A.

Die
Geschichte der Firma Metzger & Sohn beginnt im Juli 1867, als
Gebhardus Metzger den Gerbereibetrieb Suhl in der Koppelstrasse
übernimmt und unter dem Namen G. Metzger weiterführt.
Im Mai 1869 heiratet er Anna Catharina Huckfeld, ein Jahr später
wird ihr Sohn Johann Metzger geboren. Johann Metzger arbeitet ebenfalls
in der Gerberei und übernimmt diese nach dem Tod seines Vaters.
1904 wird der Gerbereibetrieb in G. Metzger & Sohn umbenannt.
1918 tritt Arthur Metzger, der Sohn von Johann Metzger, in den Betrieb
mit ein; im selben Jahr stirbt Gebhardus Metzger. Johann und Arthur
Metzger führen den Gerbereibetrieb fort und bauen ihn weiter
aus. Produziert werden beispielsweise Schuhsohlen, Koffer, Aktentaschen,
Faltenbälge, Dichtungen und Manschetten.
1898
kauft Johann Metzger in Elmshorn die Gerberei von Jacob Schmidt,
die erwährend des Ersten Weltkrieges wieder verkauft. Ab 1921
gehört die Fabrik zur jüdischen Unternehmerfamilie Blaut,
diese wird 1939 wird von den Nationalsozialisten arisiert und zwangsenteignet.
Die Nationalsozialisten verkaufen die Fabrik an einen mexikanischen
Kaufmann deutscher Herkunft der die Lederfabrik an Arthur Metzger
verpachtet. Zwischen 1939 und 1945 produziert sie hauptsächlich
für die Wehrmacht. 1951 wird die Fabrik an die Familie Blaut
zurückgegeben, die in die USA emigriert war.
Johann
Metzger ist auch in einem anderen Geschäftsfeld aktiv: 1913
errichtet er ein Elektrizitätswerk, das Strom an die Stadtwerke
liefert. 1925 kauft der Kreis das Elektrizitätswerk von Metzger.
Noch heute haben die Stadtwerke einen Teil des Grundstückes
in der Koppelstrasse gemietet und versorgen von hier aus ihre Kunden
mit Fernwärme.
Auch
in sozialer Hinsicht engagierte sich Metzger & Sohn: 1917 wird
die Metzger-Kriegsstiftung gegründet. Sie soll Opfer des Ersten
Weltkrieges, in erster Linie Angehörige des Betriebes, finanziell
unterstützen. Anfang 1950 werden für Betriebsangehörige
Werkswohnungen in der Paulstraße gebaut. 1975 wird die Stiftung
zur Kölln-Metzger-Wuppermann-Kriegsstiftung zusammengelegt.
Zweck der neuen Stiftung ist es, Kriegsopfern beziehungsweise Kriegsteilnehmern
beider Weltkriege Beihilfen zu zahlen. 2004 wird die Stiftung aufgelöst.
Die Geschichte der C. Otto Gehrckens beginnt ebenfalls im Jahre
1867. Carl Otto Gehrckens gründet in Hamburg eine Treibriemenfabrik.
Bereits in den 1870er Jahren entwickelt sich die Fabrik zu einer
der bedeutendsten der Welt: Carl Otto Gehrckens besaß das
größte „Treibriemen-Lager der Erde. Carl Otto Gehrckens
schreibt wissenschaftliche Arbeiten und hält Vorträge.
Vor allem seine Veröffentlichung über die Belastungs-Koeffizienten
ist grundlegend für die gesamte Riementechnik. Für seine
wissenschaftliche Arbeit wird er 1914 zum Dr. Ing. h.c. an der Technischen
Hochschule in Hannover ernannt.
Bereits
1890 hat Carl Otto Gehrckens seinen Umsatz um das Zehnfache steigern
können. Die steigende Nachfrage macht eine Vergrößerung
des Betriebes notwendig. 1898 kommt eine Gerberei in Wandsbek hinzu
und zusätzlich übernimmt er noch eine seit 1728 bestehende
Gerberei in Horneburg.
Im Februar 1917, mit 73 Jahren, stirbt Carl Otto Gehrckens nach
einem Eisenbahnunfall. Die Leitung der Firma übernimmt sein
Sohn Christian Oscar Gehrckens, der bereits seit 17 Jahren im Unternehmen
arbeitet.
1919
übernimmt Johann Metzger den Betrieb „C. Otto Gehrckens“
und führt ihn zunächst in Hamburg unter altem Namen fort.
Erst 1930 werden die Fabrikationsabteilungen sowie die Büros
nach Pinneberg verlegt. Die Zusammenlegung beider Firmensitze hat
vor allem rationelle Gründe. Metzger & Sohn gerbt das Leder
und liefert die gegerbten Häute an C. Otto Gehrckens. C. Otto
Gehrckens stellt die Lederfertigprodukte her und vertreibt sie auch.
Die
Zeit der Weltwirtschaftskrise geht auch an den beiden Firmen nicht
spurlos vorbei. So antwortete die Firma Metzger & Sohn im April
1932 auf ein Schreiben der Stadtverwaltung in Pinneberg: „[Wir]
bedauern außerordentlich, Ihnen […] mitteilen zu müssen,
dass wir nur mit Mühe und Not, sowie äußerster Kraftanstrengung
unseren Betrieb aufrecht erhalten können. […] [Wir bitten
Sie], in Anbetracht der außerordentlichen Notlage der Industrie,
besonders in unserem Betrieb, die etwa noch nachzuzahlende Gewerbesteuer
zu streichen.“
Im
März 1935 stirbt Johann Metzger. Sein Sohn Arthur Metzger ist
nun Alleininhaber. Während des Zweiten Weltkrieges produziert
das Unternehmen – wie auch bereits während des Ersten
Weltkrieges – für die deutsche Rüstungsindustrie.
Da viele Angestellte während des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht
einberufen werden, beschäftigt man in beiden Betrieben Zwangsarbeiter
aus den besetzten Gebieten.
Nach
der deutschen Kapitulation im Mai 1945 bezieht die britische Militärregierung
die „Metzgersche Villa“ in der Mühlenstraße.
Arthur Metzger, der zu diesem Zeitpunkt hier mit seiner Familie
lebt, muss die oberen Stockwerken räumen und in das Souterrain
des Hauses ziehen.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges befindet sich die Lederindustrie
in einer schweren Krise. Überall verdrängen Kunststoffe
das Leder, so wird das Sohlenleder beispielsweise weitestgehend
durch Kunststoffsohlen ersetzt. Um die Unternehmen zu erhalten,
muss Arthur Metzger die Produktpalette umstellen. Ab Mitte der 50er
Jahre produziert er Gummikeilriemen. 1960 werden O-Ring-Dichtungen
aus Gummi mit ins Lieferprogramm aufgenommen. In der Folgezeit wächst
der O-Ring-Bereich zum Hauptstandbein der Firma heran, sodass 1998
der Geschäftsbereich Keilriemen verkauft wird, um sich noch
besser auf den Bereich der O-Ringe konzentrieren zu können
1948
tritt Gebhard Metzger, Sohn von Arthur Metzger, in das Unternehmen
ein. 1955 folgt der zweite Sohn Kai, der 1963 das Unternehmen jedoch
wieder verlässt. 1965 tritt der dritte Sohn Dierk in das Unternehmen
ein.
1967 feiert man das 100-jährige Jubiläum beider Firmen;
erst im April 2000 wird Metzger & Sohn umbenannt in C. Otto
Gehrckens Vertriebs GmbH & Co. KG.
1983
stirbt Arthur Metzger. Gebhard und Dierk Metzger leiten nun gemeinsam
die Firma. 1994 und 1995 treten die Söhne von Gebhard und Kai
Metzger, Jan und Ingo Metzger in die Firma ein. Gebhard Metzger
verlässt 1996 und Dierk Metzger 2004 das Unternehmen. Seitdem
leiten es Ingo und Jan Metzger – in fünfter Generation.
Die COG hat sich mit 140 Mitarbeitern zu einem namhaften und expandierenden
Hersteller in der Dichtungstechnik entwickelt und ist heute eines
der ältesten Unternehmen in Pinnberg.
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Zwanger

1898
gründete Williams Zwanger eine Maschinenfabrik am Damm 17 in
Pinneberg.
Schwerpunkte waren die Reparatur von Druckmaschinen der Firma A.
Beig sowie von Fahrrädern und landwirtschaftlichen Maschinen.
1920
übernahm der wesentlich ältere Bruder des Firmengründers,
Karl Zwanger, die Firmenleitung. Der Betrieb zog um in die Dingstätte
32-34 und wurde umgerüstet auf die Fertigung von Kaffeebearbeitungsmaschinen
für die Industrie. Hierzu wurde die Firma um eine Eisengießerei
erweitert. Der Firmenname lautete nun Leichtgusswerk Uhlig, Zwanger
& Co.
1925
firmierte sie unter der Bezeichnung Karl Zwanger & Co, Favorite
Kaffeemühlen.
Belegschaft:
1909 12
1925 45
1950 100
Anfang 1960er 180
1954
übernahm der Sohn, Karl-August Zwanger, die Firmenleitung.
Unter seiner Leitung wurde das Unternehmen zu einem europaweit führenden
Hersteller von industriellen Kaffeemühlen.
1966
wurde die Fabrik in der Dingstätte abgerissen und auf dem Grundstück
des ehemaligen Wupperman-Werks II neu aufgebaut. An den Betrieb
wurde eine moderne Leichtmetallgießerei angeschlossen.
1975
fand der Verkauf an die Hamburger Beteiligungsgesellschaft Möller-Consult
statt. Die neuen Inhaber, Joachim Guido Möller und sein Geschäftsführer
Hartmut Neumann, führten teilweise Modernisierungen und Rationalisierungen
durch.
1977
führten hohe Steuerschulden schließlich zur Stilllegung
des Betriebes und endlich auch zum Konkursverfahren.
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