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Literatur
aus Pinneberg - Pinneberg in der Literatur
Pinneberg
– eine literarische Stadt?
ein Gedanke, der zugegebenermaßen sich bislang nicht aufdrängte.
Doch es gibt eine literarische Seite der Kreisstadt, die es wiederzuentdecken
gilt.
Zwei
gebürtige Pinneberger waren zu ihrer Zeit Bestseller-Autoren.
Sophie Wörishöffer (1838 – 1890) gehört zu
den erfolgreichsten Abenteuerschriftstellern ihrer Zeit. Werner
von der Schulenburgs (1891 – 1958) witzig-geistreiche Unterhaltungsromane
erlebten hohe Auflagen. – Erhard Wittek (1898 – 1981),
der in Pinneberg seinen Alterswohnsitz nahm, leistete u.a. mit seinen
Indianerromanen um den historischen Tecumseh einen wesentlichen
Beitrag zur qualitativ hohen Jugenbuchliteratur.
Maria
Elisabeth Straub beschäftigte sich u.a. kritisch mit der städtebaulichen
Entwicklung ihrer Heimatstadt.
Jüngste
erfolgreiche aus Pinneberg stammende Autoren sind Marcus Jensen
(*1967). Sein Debütroman „Oberland“ (2004) spielte
in Pinneberg, auf Helgoland und in Hamburg. – Jens Petersen
(*1976) hat seinen ersten Roman „Die Haushälterin“
(2005) teilweise in Pinneberg angesiedelt.
Die
Präsentation „Pinneberger Literaten“ im Stadtmuseum
soll zur weiteren Beschäftigung mit Autoren anregen, die in
unterschiedlicher Weise mit der Stadt verbunden sind.
Sophie
Wörishöffer

geboren
am 6.10.1838 in Pinneberg als Tochter des Anwalts Otto Andresen
und der Clara Antoinette von Liliencron. Sie war somit eine Cousine
des Lyrikers und Novellisten Detlev von Liliencron. Nach dem Tod
des Vaters 1851 zog die Familie im Jahr 1857 nach Altona. Das mutmaßliche
Pinneberger Geburtshaus auf dem Grundstück Damm 29/31 wurde
1959 abgerissen.
1866 heiratete sie den Architekten Albert Wörishöffer,
der nach 4 Jahren Ehe verstarb. 1871 wurde ihr Sohn Hugo unehelich
geboren. Um sich und ihr Kind durchzubringen, begann sie zu schreiben.
Ihre ersten Publikationen umfaßte Zeitungsartikel, aber auch
Erzählungen und Romane. Noch schrieb sie für ein weibliches
Publikum mit entsprechenden Themen. Ihre erste Publikation trug
den Titel „Aus den Erfahrungen einer Hausfrau. Ein Weihnachtsgeschenk
für Deutschlands Bräute“. Das änderte sich,
als der Bielefelder Verlag Velhagen & Klasing ihr einen Vertrag
anbot. Auf der Basis eines Honorars von 2000 Reichsmark hatte sie
jährlich einen Roman zu liefern. Um zu verbergen, dass es sich
um eine Autorin handelte, verwendete man nur den Anfangsbuchstaben
ihres Vornamens. Es begann eine unermüdliche Produktion von
Abenteuerromanen für die "reifere Jugend‘. Ihr erster
Erfolg war 1876 der überarbeitete Roman „Robert des Schiffsjungen
Fahrten und Abenteuer auf der deutschen Handels- und Kriegsflotte“.
Es folgten „Das Naturforscherschiff“. „Fahrten
der jungen Hamburger nach den Besitzungen ihres Vaters in der Südsee“,
„Die Diamanten des Peruaners“, „ Fahrten durch
Brasilien und Peru“, „Durch Urwald und Wüstensand“.
Viele
weitere Abenteuerromane folgten, die schon durch ihre Untertitel
die Leselust der Jugend wecken konnten. Dem Leser wurden spannende
Geschichten geboten, die zugleich den Expansionsdrang des deutschen
Kaiserreiches (Kolonien) spiegelten. Wie Karl May hat sie die vielen
exotischen Länder ihrer Romane, die sie so anschaulich beschreiben
konnte, nie selbst bereist, Ihr geographisches und ethnologisches
Wissen entnahm sie der Fachliteratur und Reiseberichten, die ihr
der Verlag bereitstellte.
Sophie
Wörishöffer wurde die meistgelesene Jugendschriftstellerin
nach Karl May, sie „Karl May von Altona“ zu nennen war
berechtigt, hatte sie doch zudem auch Indianerromane verfasst (Auf
dem Kriegspfade. Eine Indianergeschichte aus dem fernen Westen.).
Nach Ablauf der damals nur 50jährigen Schutzfrist waren 14
ihrer Bücher von verschiedenen Verlagen umgeschrieben, gekürzt
und z.T. unter anderen Titeln noch Anfang der 70er Jahre im Handel
erhältlich.
Sophie Wörishöffer starb am 8.11.1890 in Altona. Die Ironie
der Geschichte will es, dass das Grab Sophie Wörishöffers,
die als Autorin ihre weibliche Identität verleugnen musste,
nicht mehr vorhanden ist.
Textproben:
„In dem holsteinischen Flecken stand vor Jahren am Ufer der
Pinnau das kleine einstöckige Häuschen des alten Schneidermeisters
Kroll. Ein Gemüsegarten erstreckte sich vom Hof bis zum Wasser
herab, und mehrere baufällige Scheunen beherbergten Geflügel,
eine Kuh und zwei Ziegen.“
„Daß
Gott erbarm, wo steckt wieder der Junge? Auf und davon, sobald die
Feierabendglocke geschlagen hat, anstatt sich noch in Haus und Hof
nützlich zu machen: Der schwimmt irgendwo auf der Aue oder
auf dem Mühlenteich, das ist nur allzu gewiß (…).“
Sophie
Wörishöffer, Robert der Schiffsjunge, [1876], S. 9
„An
einem frischen, kühlen Aprilmorgen machte unser vielgereister
Freund die Fahrt von Kiel nach Pinneberg, kam also diesmal aus entgegengesetzter
Richtung in das kleine Städtchen zurück. Am Bahnhof stand
der Alte, noch mit demselben großväterischen Rock, den
er vor dreißig Jahren als Bräutigam eigenhändig
genäht, noch mit dem riesigen Hut und den Vatermördern
von Anno Tobak, die er sich nur gestattete, wenn irgendeine besondere
Festlichkeit gefeiert werden sollte, - ein Spießbürger
und Philister von reinsten Wasser, aber doch sein Vater, sein lieber,
guter Vater.“
Ebenda, S. 427
„Sieh,
wie oft hast du schon im Stillen die Söhne des Müllers
um ihr hübsches Segelboot beneidet, aber hingehen und dir’s
nehmen, das wagtest du nicht. Jetzt fahren wir und kehren uns nicht
daran, wer das Ding bezahlte, - so macht es der Kluge überall.“
(…) und dann stießen sie ab, nachdem der Seiler vorerst
das aufgerollte Segel „gesetzt“ hatte. (…). Auch
Roberts Herz hüpfte vor Freude. Unter sich den blauen Spiegel
des Teiches und über sich das weiße bauschende Segel
(…).“
Ebenda, S. 10-11
Werner
von der Schulenburg

geboren
am 9. 12. 1881 in Pinneberg als Sohn des Kirchspielvogts von der
Schulenburg, gestorben am 29. 3. 1958 in Lugano.
Im Haus Koppelstraße 27 verbrachte von der Schulenburg in
Pinneberg seine Jugendjahre. Schulenburg wurde im Kadettencorps
erzogen und war zunächst aktiver Offizier. Nach einem Dienstunfall
studierte er.
Er
ist Verfasser zahlreicher Erzählungen und Unterhaltungsromane
wie beispielsweise „Der König von Korfu“, sein
wohl bekanntestes Buch. In „Crème à la Cocotte“,
ein «heiterer Roman zwischen Pinneberg und Monte Carlo»,
setzte Schulenburg seiner Heimatstadt ein literarisches Denkmal.
In seinen Kadettenerinnerungen kritisierte er das militaristische
Erziehungssystem im deutschen Kaiserreich.
Im
2. Weltkrieg war er als Leiter des Übersetzungsdienstes der
deutschen Botschaft in Rom ein vertrauter Mitarbeiter des Botschafters
Ulrich von Hassell, der als Mitstreiter des 20. Juli 1944 hingerichtet
wurde. Von der Schulenburg konnte sich vor der Gestapo bis Kriegsende
in Bayern verbergen; er gehört zum konservativen Widerstand.
In vielen Publikationen trat von der Schulenburg vor allem für
ein vertieftes kulturelles Verständnis zwischen Deutschland
und Italien ein.
Von
der Schulenburg starb in Lugano, sein Herz aber wurde (später)
in Pinneberg beigesetzt.
Textproben:
„Ich bin wirklich in Pinneberg geboren, und alle Anzapfungen
wegen des Namens meiner Geburtsstadt lassen mich kühl.
Wenn ein Schriftsteller den Helden seines Romans gar Herrn Pinneberg
nennt, weil er damit ausdrücken will, daß dieser Held
im Grunde ein trauriger Philister sei, so beweist das nur, daß
dieser Schriftsteller nie in Pinneberg gewesen ist.
Und als mir gar jemand erklärte:
„Der Geburtsort Pinneberg kann nur durch einen Tod in Palermo
wettgemacht werden“, da entgegnete ich ihm ... .
Im Gegenteil, ich möchte viel lieber in Pinneberg beigesetzt
werden, bei all den lieben Freunden, von denen und von deren Kindern
ich hier erzählen will.“
Werner von der Schulenburg, Crème à la Cocotte. Ein
heiterer Roman zwischen Pinneberg und Monte Carlo. Flensburg 1956,
S. 5
„Für
gewöhnlich war Map in großer Eile; sie legte den letzten
Teil der Bahnhofstraße, die durch den Wald führte, in
langen Sprüngen zurück. Wenn dann am Bahnhof der Stationsvorsteher
die Glocke läutete – bimbimbimbimbim -, sobald der Zug
in Sicht war, dann wurden ihre Sprünge noch länger, und
sie wären modern-sportsmäßig geworden, wenn das
Korsett es erlaubt hätte.
Auf dem Bahnhof wußte man Bescheid. Eine Bahnsperre gab es
nicht, und der Zugführer rief erst "fäddich‘,
wenn sie in das Abteil geklettert war. Wir Jungens, die wir uns
gern auf dem Bahnhof herumtrieben, weil mit ihm der Begriff der
Ferne, des Reisens verbunden war, versuchten den Zugführer
zu ärgern, indem wir "fäddich‘ riefen. Dann
aber schmetterte er die inzwischen klassisch gewordenen Sätze
über den Bahnsteig: „Wer sagt hier fäddich? Kein
ein sagt hier fäddich. Wenn ein fäddich sagt, sag ich
fäddich.“ Und nachdem Map ihm mit sonnigem Lächeln
aus dem Abteil gedankt hatte, rief er: „Fäädichch!“
Worauf der Bahnhofsvorsteher drei Schläge mit der Glocke gab
– timtimtim – und der Zug sich würdig und asthmatisch
in Bewegung setzte.“
Ebenda, S. 8
„Er
[Trümplitz] grübelte in dem schönen Palast der Landdrostei,
der noch aus dänischen Zeiten stammte, über einem langweiligen
Bebauungsplan; von Zeit zu Zeit hob er aber den Kopf und sah an
den großen Linden vorüber zu Trettaus Lokal, vor welchem
Molinari künstlerische Audienzen gab …“
Ebenda, S. 12
Erhard Wittek (Ps. Fritz Steuben)

geboren
am 3.12.1898 in Wongrowitz bei Posen, Jugendbuchautor und Erzähler,
gestorben 4.6.1981 in Pinneberg.
Seit
1937 lebte er als freier Schriftsteller in Neustrelitz, Hameln,
und seit 1955 in Pinneberg. Bekannt wurde er in den 30er Jahren
durch seine Indianerromane um den Häuptling Tecumseh, die hohe
Auflagen erreichten und bis heute im Buchhandel erhältlich
sind: „Der fliegende Pfeil“ (1930; 25. Tsd. 1979), „Der
rote Sturm“ (1931; 19. Tsd. 1979) und weitere.
Seine
Weltkrieg-I- Erzählung „Durchbruch anno achtzehn“
von 1933 wurde in der Nazi-Zeit Schullektüre – im Nachwort
bekennt sich Wittek zum Führer Adolf Hitler. Auch wenn Wittek
später seinen Irrtum begriff, so hat er sich öffentlich
nicht von seiner zeitweiligen Parteinahme für die Nationalsozialisten
distanziert.
1984 erhielt der Pinneberger Stadtteil Thesdorf eine Wittek-Straße.
Die Benennung führte zu kurzen, wenn auch heftigen Kontroversen.
Nach
dem Krieg schrieb Wittek u.a. historische Romane wie „Der
weite Ritt“ (1960), „Der Thronfolger“, „Ibn
Saud erkämpft sein Recht“ (1976), und die Kindheitserinnerungen
„Dort hinter dem gläsernen Berg“ (1962). Eine Bearbeitung
der Lederstrumpf-Romane von James Fenimore Cooper und der altisländischen
„Gunnlaugssaga“ sind weniger gelungen. Seiner
Heimat setzte er mit dem Sammelband „Sehnsucht nach Europa“
(1968) ein literarisches Denkmal.
Textprobe:
„Geht, Brüder, und tragt meine Botschaft zu allen Stämmen
von roter Haut und schwarzem Haar. Das weiße Band der Freundschaft
macht uns stark. Der Berglöwe ruft, er duckt sich zum Sprunge,
denn es ist Zeit. Ruft die Krieger der Wälder und die Jäger
der Ebene, die Männer, die an den Strömen und Seen Manitus
wohnen, denn es ist Zeit. Sagt den Häuptlingen, die für
das Wohl der Clans und Stämme denken, das Wort, das sie einmal
Tecumseh gaben, erinnert sie daran, daß sie versprochen haben
zu kommen, wenn ich das Bündel mit den blutigen Pfeilen schicke,
erinnert sie daran, denn es ist Zeit.“
Fritz
Steuben, Tecumseh, der große Häuptling, Stuttgart 1939,
13. Aufl. 1998, S. 68
Marie
Elisabeth Straub

geboren
1943 als Marie Elisabeth Franck in Pinneberg. Sie gehörte zum
ersten Abiturientenjahrgang an der Johannes-Brahms-Schule. Sie studierte
Kunstgeschichte und heiratete den „Merian“-Redakteur
Hanns Straub.
Ihre
ersten Publikationen galten Themen, ähnlich wie bei Sophie
Wörishöffer, die überwiegend ein weibliches Publikum
ansprachen. 1971 kam „Grönen Aal un Rode Grütt“
heraus, eine amüsante kulturgeschichtliche Betrachtung norddeutscher
Tafelfreuden (mit Rezepten). In ihrem kleinen Roman „Dat Du
min Leevsten büst…Verliebt, verlobt, verheiratet an der
Waterkant“ (1974) hat sie Pinneberger Erinnerungen verarbeitet.
Es folgten u.a. „Wer weiß, was im Oktober ist“
und „Das ist Hamburg“.
Im
„Merian“-Dezemberheft 1985 kritisierte sie heftig die
städtebauliche Entwicklung Pinnebergs in ihrem Essay „Ortsveränderung“:
„Befragt man Pinneberger Bürger zum neuen Stadtkern,
fallen Worte wie Katastrophe und innere Emigration“. Bürgermeister
und Magistrat reagierten empört. In ihrem „Borger &
Straub“-Roman „Katzenzungen“ (2001) mit vielen
kritischen Pinneberg-Erinnerungen, hat sie dieses – für
Pinneberg immer aktuelle Thema – erneut aufgegriffen. Zusammen
mit Martina Borger hat sie in den folgenden Jahren sehr erfolgreiche
Romane vorgelegt, u.a. „Kleine Schwester“ und „Im
Gehege“.
Von
1985 bis 1997 hat Marie Elisabeth Straub mit Martina Borger 250
Folgen der sehr beliebten Fernsehserie „Die Lindenstraße“
geschrieben.
Textproben:
„Und sie wohnten ja auch nah beieinander, Backes im Rosenhof
und Tiedjens An der Drostei, mit bevorzugtem Blick auf das einzig
schöne Bauwerk in Pinneberg, „Rocaille“, sagte
die alte Tiedjen immer, wobei sie den Mund erst spitz machte, dann
breit wie ein Frosch, dabei trifft der Begriff strenggenommen ziemlich
daneben, aber die gab an mit dem Gebäude, als hätte sie
es mit eigenen Händen erbaut, und bei jeder Gelegenheit hat
sie uns mit ihren historischen Döntjes genervt, daß Dänemark
mal bis nach Altona reichte und daß man sogenannte Drosten
als Verwaltungs-beamte eingesetzt hat und daß die quasi kleine
Könige waren pipapo. Und daß der Blick auf das historische
Haus und die alten Eichen davor ihr das Gefühl vermittelten,
mit der endlosen Kette ihrer Vorfahren verbunden zu sein oder so
ähnlich, „Familie Tiedjen von Gottes Gnaden“, hat
Hartmut immer gesagt.“
Borger & Straub, Katzenzungen, Zürich 2001, S. 36
„Andre
Kinder haben gar keinen Vater (…), oder einen, der sich aufgehängt
hat wie Weiland Walter Backe, weil er irgendwelche krummen Dinger
gedreht hat, da in seinem Städtischen Bauamt. Saß ja
auch direkt an der Wurst sozusagen, konnte sich bequem eine dicke
Scheibe nach der andern abschneiden, sprich Bimbes kassieren, hier
mal zügig ein Areal für Industrieansiedlungen freigeben,
da kurz durch die alte Bebauung eine Tangente genehmigen, wie sie
das nannten, bloß nie das Kind beim Namen nennen, Ma hat sich
immer wahnsinnig aufgeregt darüber. Man würde die Stadt
nicht mehr erkennen, hat sie gesagt. Nur noch Karstadt und Johs
Schmidt und Schnellimbisse,(...).
Ich hab ja nicht soviel am Hut mit Architektur, aber Ma war da schließlich
aufgewachsen und schwärmte davon, wie individuell die Stadt
früher gewesen war. Herzerwärmend, sagte sie und daß
sie jetzt den Eindruck hätte, Pinneberg würde von einer
Mafia regiert“.
Ebenda, S. 5
Dorthin
kommt man zurück, eine Liebeserklärung auf den Lippen
– und ist in eine andere Stadt geraten! Man sucht die alten
Straßen und findet sie nicht wieder, obwohl auf den Schildern
die bekannten Namen stehen. Die vertrauten Häuserzeilen, die
klassizistischen Putzfassaden, die lackierten Haustüren: verschwunden,
einem unüberschaubaren Konglomerat willkürlich aneinandergepferchter
Neubauten gewichen, deren allerneueste Exemplare, etwa als „Patrizierhaus“
deklariert, mit allerhand pseudonördlichen Niedlichkeiten wohl
einen Hauch voll Kleinstadtidyll verbreiten sollen. Kein Haus fügt
sich hier dem anderen, geschweige denn einem Gesamtkonzept.
Anstelle von Stadtplanung Intensivnutzung. (…) Man wird durch
eine Fußgängerzone geschleust, wie sie inzwischen jede
x-beliebige Retortenstadt vorweisen kann: bedingungslos schick,
quirlig (über Tag), auf Konsum ausgerichtet. Beton, Glas, Chrom,
Sitzbänke, Blumenkübel: Was ist daran noch Pinneberg?
Elisabeth
Maria Straub, Ortsveränderung (Aufsatz in Merian, 1985)
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