Farbradierung, Einzeldruck, 1979

Farbradierung, Technische Komposition II/1980


Günther Thiersch

Der Nachlass des Pinneberger Künstlers Günther Thiersch wurde dem Stadtmuseum im Jahr 2004 durch die FIELMANN AG als Schenkung übergeben.
Der Nachlass umfasst u.a. ca. 40 Ölgemälde, diverse Handzeichnungen und ca. 150 Radierungen, sowie Beispiele von frühen Studienarbeiten.
Die Kunst Günther Thierschs wird gemeinhin dem „Magischen Realismus“ zugerechnet. Thiersch begann in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Maler mit amorphen Formen zu experimentieren, die aber von Anfang an das Interesse an der Licht- und Schatten-Regie bezeugen. Erst mit seinem sechzigsten Lebensjahr erreichte Thiersch sein eigentliches Thema und schuf seine brillantesten Arbeiten: technische Stilleben mit Kompressoren; Röhren, Zahnrädern, Lampen und Messuhren vor nah an den Betrachter herangerückten Wänden.
Unter Beibehaltung strenger Geometrie arrangierte er seine „Technischen Kompositionen“, wie er sie durchweg lakonisch nannte, mit großer Komponierfreude. Hinzu tritt ein fast altmeisterliches Interesse an der Lichtführung, an der Weise, wie sich Gegenstände und deren Stofflichkeit im Licht modellieren.
Mit alten Kitteln oder Lappen, Handschuhen oder zerknüllten Papieren, die er gelegentlich ins Bild fügt, vermag er eine Ironisierung seiner suggestiven Apparatewelt zu vermitteln, die einen weiteren Blick in den „romantischen Konstruktivismus“, wie man seine Kunst auch genannt hat, erlaubt.

Lebenslauf

09.06.1914 geboren in Neumarkt in Schlesien
1934 Abitur
1935 - 1936 Studium des Schiffbaus an der TH Danzig und Seefahrten im Nord- und Ostseeraum
1936 - 1945 Dienst in der Marine mit Seefahrten in weite Teile der Welt
1941 schwer verwundet
1943 Heirat
1945 Amerikanische und französische Kriegsgefangenschaft
1945 - 1950 Studium der Kunsterziehung und Werklehre an der Landeskunstschule
  (später: Hochschule für bildende Künste) Hamburg
  Dort während des Studiums zwei Semester Dozent für räumliches Zeichnen
  Studium der Geographie und Kunstgeschichte an der Universität Hamburg
1949 - 1950 Staatsexamen in Kunsterziehung, Werklehre und Geographie
1950 - 1951 Referendarausbildung im Studienseminar Lübeck und an der Internatsoberschule Schloss Plön
1952 - 1972 Kunsterzieher an der Bismarckschule (Realgymnasium) Elmshorn
seit 1972 freischaffend
  zahlreiche Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen
17.10.1986 verstorben in Pinneberg


Die 8 Ölgemälde aus dem Nachlaß des Künstlers schmücken den
Treppenaufgang des Stadtmuseums

Mehr zu Günther Thiersch auf www.guentherthiersch.de

Pinneberg hat wieder nichts dazu bezahlt

Schenkung: Das Pinneberger Stadtmuseum zeigt jetzt dank der Fielmann AG Bilder von Günther Thiersch als Dauerschau.

Kuno Klein Pinneberg
„Ein Bereicherung für das Museum“, nennt Leiterin lna Duggen (47) die Werke des 1986 in Pinneberg verstorbenen Künstlers Günther Thiersch. Zu sehen sind acht Ölbilder und sieben Radierungen im Treppenhaus, das damit ein weiterer Ausstellungsraum geworden ist.
Erfreut über die großzügige Schenkung der Fielmann AG zeigt sich auch Bürgermeister Horst Werner Nitt (52). Ihr sei es zu verdanken, dass trotz der Finanznöte Pinneberg einen derartigen Schatz präsentieren könne. Den Kommunalpolitikern rät Nitt, sich die Thiersch-Bilder anzusehen, um sich von der Notwendigkeit des Erhalts des Stadtmuseums zu überzeugen.
Nachdem Fielmann dem Stadtmuseum bereits die Restaurierung der alten Turnerfahne ermöglichte. ist dies nun schon die zweite Gabe des Optikerunternehmens für das
kleine Museum, das sich der Geschichte Pinnebergs verschrieben hat. Und es wird wohl nicht die letzte sein, wie Kunsthistoriker Jürgen Ostwald (55) in Aussicht stellte, der die optische Sammlung der Fielmann AG betreut und von Firmenchef Günter Fielmann beauftragt worden war, kleinere Museen in Schleswig-Holstein und im Hamburger Umland auszuwählen, die der erfolgreiche Unternehmer unterstützt.
Mit Günther Thiersch kommt jetzt im Stadtmuseum ein Künstler zu Ehren, der 30 Jahre in der Kreisstadt gelebt hat. Geboren wurde der Maler und Lehrer 1914 in Neumarkt in Schlesien. Nach einem Schiffbaustudium in Danzig, der Teilnahme am Zweiten Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft studierte er in Hamburg Kunst und Geografie. Als Lehrer arbeitete er in Lübeck, Plön und am Elmshorner Bismarckgymnasium.
Ostwald bezeichnet Thiersch als einen der bedeutendsten schleswig-holsteinischen Maler. Sein Werk wird dem „Magischen Realismus“ zugerechnet. Der Künstler selbst sprach oft von „Technischen Kompositionen“. Rohre und technische Geräte sind mit großer Detailfreude abgebildet. Hinzu kommt eine sehr bewusste Setzung von Licht und Schatten.
Ein Blick auf diese Bilder lohnt sich. Das Museum ist dienstags bis freitags. 17- 19 Uhr, sonnabends, 11- 13 Uhr, und außerdem donnerstags, 10-12 Uhr, geöffnet.

Pinneberger Zeitung, 29.11.2003 (?)

Geschenkt: 35 Thiersch-Werke

Pinneberg — Nicht nur bei seinen Brillenpreisen schont der Optikerpapst Günther Fielmann die Portemonnaies seiner Kunden. Großzügig ist der Großunternehmer auch, wenn es um die Förderung der Kunst geht. Das im alten Amtsgericht beheimatete Pinneberger Stadtmuseum profitiert bereits zum zweiten Mal von Fielmanns generösem Mäzenatentum: Zu den acht bereits vorhandenen schenkte Fielmann der Stadt jetzt 32 weitere Ölgemälde des Künstlers Günther Thiersch. der lange in Pinneberg gelebt hat.
Museumsleiterin Ina Duggen plant für 2006 eine Gesamtschau des wertvollen Künstlernachlasses in der Drostei. Bislang sind nur die ersten acht der geschenkten Bilder im Eingangsbereich des Museums dauerhaft zu bewundern. Die ältesten Stücke der Sammlung stammen aus den 60er-Jahren, die jüngsten stellte Thiersch kurz vor seinem Tod fertig, so dass das Pinneberger Stadtmuseum nun die künstlerische Entwicklung des Gesamtwerkes dokumentieren kann.
Der materielle Wert ist gewaltig. Der Galeriepreis läge bei mehr als 100 000 Euro. Mit den Worten "in Zeiten leerer Kassen baut es auf, wenn Sponsoren an kleine Museen denken“, bedankte sich Pinnebergs Bürgermeister Horst-Werner Nitt bei Jürgen Ostwald für die Schenkung, der für Fielmann dessen Kunst-Engagement betreut. Außer dem Pinneberger gehören andere 20 Museen zum Empfängerkreis des warmen Regens.
Günther Thiersch wurde 1914 in Neumark in Schlesien geboren. Zum 70. Geburtstag richtete ihm das Landesmuseurn auf Schloss Gottorf eine große Retrospektive aus. Seine Bilder worden dem magischen Realismus zugerechnet. Die brillantesten Arbeiten sind technische Stillleben. die unter Beibehaltung strenger Geometrie und aufwendiger Lichtführung komponiert sind. (mg)

Pinneberger Zeitung, 19.8.2004

 


Und keinen Pfennig dazugezahlt
Von Lutz Raasch

Das Stadtmuseum ist um eine Rarität reicher. Seit jüngstem befindet sich neben vielen stadtgeschichtlichen Werken nun auch der Nachlass des Malers Günther Thiersch in Pinneberger Besitz. Zu verdanken hat das Museum an der Dingstätte den künstlerischen „Neuzugang“ einer erneuten Schenkung des Brillenherstellers Fielmann.

Wurden zuvor bereits die Thierschen Gemälde dem Museum vermacht, bereichern nun dessen Radierungen, Lithographien, Federzeichnungen, Aquarelle sowie dessen Schriftverkehr mit Galerien und Museen das Archiv. „Wir wollten den Nachlass für Pinneberg sichern“, erklärt Jürgen Ostwald, bei Fielmann zuständig für das Museums-Sponsoring.

Alternativ hätte man die Werke des 1986 in Pinneberg verstorbenen Thiersch auch dem Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum im Schloss Gottorf überlassen können, doch die Verantwortlichen entschieden sich für Pinneberg. „Hier wird die Sammlung aktiver behandelt“, so Ostwald, der den 1914 in Schlesien geborenen und lange Zeit im Kreis Pinneberg lebenden Maler als „kunstgeschichtlich wichtige Figur in Schleswig-Holstein“ bezeichnet.

Die Thierschen Malereien im Pinneberger Stadtmuseum – das erfreut nicht nur Museumsleiterin Ina Duggen-Below und Wolfgang J. Domeyer vom Förderverein. Auch Bürgermeister Horst-Werner Nitt zeigte sich begeistert: „Das macht mich fast sprachlos“, so Nitt über das Geschenk während der Übergabe. „Sehr stolz und dankbar“ sei er, dass das Stadtmuseum künftig „ein so umfassendes Bild des Künstlers dokumentieren“ könne.

Ein bisschen Geduld müssen Kunstfreunde mit der Begutachtung der etwa 140 Werke aber noch aufbringen. Denn bevor diese ab Ende Juni der Öffentlichkeit präsentiert werden, wartet das Stadtmuseum zunächst mit einer anderen Ausstellung auf. Das Thema in der Zeit vom 1. bis 5. April: „Ostern – Brauchtum gestern und heute“.

Pinneberger Tageblatt, 30.3.2006


Die Fielmann-Abgesandten Jürgen Ostwald (links) und Jasmin Müller (Pinneberger Filialchefin) präsentieren gemeinsam mit Bürgermeister Host-Werner Nitt, Stadtmuseumsleiterin Ina Duggen-Below und Wolfgang J. Domeyer vom Förderverein die neusten Errungenschaften des Pinneberger Stadtmuseums. Foto: Lutz Raasch

 

Thiersch-Sammlung ist jetzt komplett
Pinneberg: Stadtmuseum freut sich über neue Schenkung der Fielmann AG. Auch die graphischen Werke des Künstlers sind jetzt im Besitz der Stadt. Eine Ausstellung ist geplant.

Von Kuno Klein

Pinneberg -

Mit Graphiken von Radierungen über Handzeichnungen bis zu Lithografien, Skizzenbüchern und Handschriftlichem sowie Publikationen in Schulbüchern aus dem Nachlaß des 1986 in Pinneberg verstorbenen Künstlers und Pädagogen Günther Thiersch besitzt das Pinneberger Stadtmuseum jetzt eine umfassende Sammlung seines Werkes. Möglich wurde das durch eine erneute Schenkung der Fielmann AG, die bereits zuvor Malereien des Künstlers für das Pinneberger Museum angekauft hatte. Jürgen Ostwald, der Leiter der optischen Sammlung der Fielmann AG und zugleich zuständig für den Kontakt zu den kleinen Museen, deren Förderung sich das Brillenunternehmen auf seine Fahnen geschrieben hat, sagt: "Günther Thiersch ist einer der bedeutendsten Künstler des Kreises Pinneberg und Norddeutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts."

Thiersch kam 1914 in Neumarkt in Schlesien zur Welt. Nach dem Abitur studierte er Schiffbau in Danzig. Während des Zweiten Weltkrieges diente er in der Marine. Als er aus der Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, studierte er Kunsterziehung und Werklehre an der Landeskunstschule Hamburg, der späteren Hochschule für bildende Künste. Dort war er schon während des Studiums zwei Semester als Dozent für räumliches Zeichnen tätig. Außerdem studierte er Geographie und Kunstgeschichte an der Hamburger Universität. Nach seinem Referendariat war er als von 1952 bis 1972 Lehrer am Elmshorner Bismarck-Gymnasium. Er wohnte mit seiner Frau in Pinneberg. Und war seit 1972 als freischaffender Künstler tätig.

Eine Besonderheit an dem Werk Thierschs sind die immer wieder auftauchenden Maschinenelemente, die durch das Spiel von Licht und Schatten eine räumliche Tiefe erhalten. Und dieses Typische ist nicht nur in seinen Malereien, sondern auch in seinem grafischen Werk zu finden. Ältere Arbeiten und Skizzenbücher zeigen aber auch einen anderen Thiersch. Und viele werden bereits Bilder des Künstlers gesehen haben, ohne sich dessen bewußt zu sein, denn der Pinneberger hat auch viele Illustrationen für Geographiebücher gefertigt, die so mancher während seiner Schulzeit in der Hand gehabt haben dürfte.

Mit der dritten Fielmann-Schenkung sei jetzt der gesamte Nachlaß des Künstlers im Besitz des Pinneberger Stadtmuseums, erklärt Ostwald und sagt weiter: "Der ist hier gut verwahrt." Die Alternative wäre gewesen, die Arbeiten an das Landesmuseum im Schloß Gottorf in Schleswig zu geben. Doch da es darum gehe, kleine Museen zu unterstützen, habe man sich für den einstigen Wohnort des verstorbenen Künstlers entschieden, so Ostwald. Außerdem sei Frau Duggen-Below eine der tüchtigsten Museumsleiterinnen in Schleswig-Holstein, lobte der Fielmann-Mitarbeiter. Dem stimmte auch Wolfgang J. Domeyer, Vorsitzender des Fördervereins des Stadtmuseums, zu: "Hier ist viel Positives mit dem großen Engagement von Frau Duggen-Below entstanden."

Auch Pinnebergs Bürgermeister Horst Werner Nitt bedankte sich für die erneute Schenkung: "Dank der Stiftung der Fielmann AG wird die Stellung unseres Museums gestärkt."

Selbstverständlich sollen die Arbeiten von Thiersch nicht in den Tiefen des Museumsarchivs verschwinden, sondern auch der Öffentlichkeit gezeigt werden. So plant Ina Duggen-Below in diesem Sommer eine erste Ausstellung mit Beispielen aus dem grafischen Werk des Künstlers. Immerhin besitzt das Museum jetzt rund 120 Motive, die zum Teil noch in zahlreichen Variationen vorliegen. Im kommenden Jahr soll dann zusammen mit der Pinneberger Landdrostei auch das malerische Werk des Pinnebergers gezeigt werden.

Pinneberger Zeitung, 15. April 2006